Pécs - die grenzenlose Stadt
Geschichte:
Pécs (Fünfkirchen, Pečuj, Pečuh) zeichnet sich durch eine lange und vielfältige Geschichte aus. Durch das Mecsek-Gebirge geschützt ist das Gebiet bereits seit vorchristlicher Zeit von Kelten besiedelt. Während der Römerzeit bereits unter dem Namen Sopianae bekannt, wird sie gegen Ende des 3.Jht. das Verwaltungszentrum Pannoniens. Ihr späterer lateinischer Name Quinque Ecclesia ist Namensgeber für die deutsche Bezeichnung Fünfkirchen. 1235 als Pechut erstmals urkundlich erwähnt, wird die Stadt 1290 in einer Urkunde Peech genannt.
Neben der römischen Festung entsteht bereits im 11.Jht ein frühes christliches Bistum. König Stephan I. legt den Grundstein für eine römisch-katholische Kirche, auf deren Grundmauern die heutige Kathedrale errichtet wurde.
1367 erfolgt durch König Nagy Lajos (Ludwig der Große) in Pécs die Gründung der ersten ungarischen Universität, eine der ersten Universitäten in Mitteleuropa.
Pécs wird auch zum wichtigen Handelszentrum. Ungarn und Deutsche prägen die befestigte Stadt.
1543-1686 kommt die Stadt unter türkischer Herrschaft, diese Zeit ändert zwar die Zusammensetzung ihrer Bewohner, nicht aber ihre Bedeutung. Der Handel wird weiter ausgebaut und es entfaltet sich eine rege Bautätigkeit. Einige der Moscheen und Bauten erinnern heute noch an diese Zeit.
Nach der Rückeroberung kommen Ende des 18.Jhts. deutsche Auswanderer in das Gebiet um Pécs, die „Schwäbische Türkei“ entsteht, die Stadt wird zum Schmelzpunkt vieler Kulturen, Sprachen und Religionen.
Auf diese Vielfalt sind die Einwohner von Pécs, die sich selber „tüke“ (Weinstock) nennen, ebenso stolz, wie auf die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt, ihre Festivals, die uralten Kastanienbäume, den hervorragenden Wein und ihre Weltoffenheit.
Nicht umsonst sieht sich Pécs als Vermittler zwischen Kulturen (auf dem halben Weg zwischen Essen/Ruhrgebiet und Istanbul) und als Tor zum Balkan.
Sehenswürdigkeiten:
Das Dschami des Paschas Gasi Kassim (Széchenyi tér)
Auf diesen Platz stand einst eine gotische Kirche zu Ehren des Heiligen Bartholomäus. Während der Zeit der türkischen Besatzung wurde sie abgerissen und aus ihren Steinen die Moschee im Auftrag des Paschas Gasi Kassim gebaut. Der bau wetteiferte in Schönheit und Größe mit dem Konstantinopeler Dschami des Sultans Selim und ist heute das bedeutendste türkische Baudenkmal in Ungarn.
Nachdem Pécs am 14. Oktober 1686 von der türkischen Okkupation befreit wurde, wurde hier der Dankgottesdienst abgehalten. Seit 1868 finden in diesem Gebäude ausschließlich christliche Gottesdienste statt. Aus diesem Grund wurde es öfters umgebaut, die äußere Form des Dschamis mit den charakteristischen osmanischen Bauelementen blieb aber immer erhalten. Das Minarett wurde im 18.Jht. von einem Blitz getroffen und später von den Jesuiten abgerissen. Bemerkenswert ist das Nebeneinander des türkischen Halbmondes und des katholischen Kreuzes an der Kuppel, das Versinnbildlichen soll, dass beide Religionen gut miteinander auskommen können. 1933 wurde das Innere durch Umbauarbeiten fast auf das Doppelte vergrößert. Beachtenswert sind auch die vom berühmten Pécser Maler Ernő Gebauer gestalteten Fresken. Die Orgel wurde 1943 von der bekannten Pécser Angster Fabrik gebaut.
Das Dschami und das Minarett des Jakovali Hassan
Diese kleine Moschee wurde in der 2.Hälfte des 16.Jht. von Pascha Jakovali außerhalb des Szigeter Tores errichtet. Sie ist die einzige noch erhaltene Moschee in ganz Ungarn mit Minarett, das unbeschädigt geblieben ist. Das Dschami hat einen quadratischen Grundriss, die Kuppel sitzt auf einer oktogonalen, von innen kreisförmigen Trommel. An der nordwestlichen Ecke befindet sich das Minarett, während der Eingang gegen Mekka gerichtet ist.
Der Pécser Bischof Nesselrode hatte das Dschami zwischen 1702 und 1732 zu einer Kapelle umbauen lassen, die dem Hl. Nepomuk geweiht wurde. Bei diesem Umbau wurde die Vorhalle abgerissen, das Gebäude wurde außen barockisiert und an die Kapelle das Krankenhaus angebaut.
1956 begann man mit der Rekonstruktion des ursprünglichen Dschamis, befreite es von den barocken Anbauten, stellte die ursprüngliche Fußbodenebene wieder her und richtete es seiner ursprünglichen Funktion entsprechend ein, sodass es heute wieder der religiöse Treffpunkt der muslimischen Gemeinschaft ist.
Heute kann man in seinen Räumen eine ständige Ausstellung über die Geschichte der Türkenherrschaft, aber auch türkische Waffen, östliche Kupferschmied- und Töpferkunst, sowie Glanzstücke der türkischen Textilkunst bewundern.
Das Mausoleum Idrisz Baba
Idrisz Baba war ein sehr erfolgreicher und geschätzter Arzt, Wahrsager und Wunderheiler, der wie ein Heiliger verehrt wurde. Für seine sterblichen Überreste wurde diese Grabstätte im Garten des Kinderkrankenhauses mit einem oktogonalem Grundriss und einer Kuppel im Jahre 1591 errichtet. Die Kugelschittkuppel besitzt einen Durchmesser von 6 Meter und ist 8,5 Meter hoch. Der gotische Steinrahmen der heutigen Türöffnung stammt vermutlich von Umbauarbeiten aus dem 17.Jht. Im 18.Jht dienst die Grabstätte als Pestkapelle. Danach wurde das Gebäude lange Jahre als Schießpulverlager verwendet.
1912 wurde das Mausoleum freigelegt und restauriert, die heutige Form erhielt es 1961.
Der Dom
Die Geschichte des Pécser Doms reicht bis ins Römische Reich zurück. Die Grundmauern der heutigen Unterkirche stammen aus dem 4.Jht. Es wird vermutet, dass an dieser Stelle eine altchristliche Basilika stand, die im 8.-9.Jht. in westlicher Richtung erweitert wurde. Mit der Grundsteinlegung durch Stephan I. wurde das heutige Sanktuarium errichtet, das ursprüngliche Gebäude zur Unterkirche. Die zwei westlichen Türme stammen vermutlich aus dieser Zeit. An den Bauarbeiten zu der romanischen Basilika, die 1064 begannen, nahmen oberitalienische, lombardische und ungarische Architekten teil. Einige fragmentarischen Teile aus dieser Zeit kamen bei den Umbauarbeiten im 19.Jht. zum Vorschein und sind heute im Lapidarium des Doms zu besichtigen. Im Mittelalter wurde die Kirche um zwei Türme erweitert.
Die türkische Herrschaft überstand der Dom nahzu unbeschadet. Danach wurde er zu unterschiedlichen Zwecken, mal als Waffenlager, als Schule oder als Getreidespeicher eingesetzt. Erst nach Jahrhunderte anhaltenden Umbauten erhielt er sein heutiges Aussehen. 1807 wurde die Kirche nach den Entwürfen des Architekten Mihály Pollack im klassizistischen Stil mit einer spitzbogenartigen Hauptfassade neu gestaltet. An der Fassade finden sich die 12 Apostelfiguren von Mihály Bartalits. Die heutige Form des Doms erhielt er bei Umbauarbeiten zwischen 1882 und 1891. Bischof Nándor Dulánszky beauftragte dafür den österreichischen Architekten Friedrich von Schmidt, der den ursprünglichen romanischen Charakter des Doms aus der Zeit der Arpaden wieder herstellen wollte. Die Länge der Kirche beträgt 70 Meter, er ist 22 Meter breit und die Türme sind 60 Meter hoch. Das sich über die Seitenschiffe erhebende Hauptschiff misst 22 Meter.
Das Zsolnay Museum
Der Name Zsolnay hat für Pécs große Bedeutung.
Miklós Zsolnay gründete in Pécs 1853 eine Porzellan-Manufaktur, deren Ruf weit über Ungarn hinausreicht und sich in einer besonderen Glasur des Keramiks begründet, die sie nach dem griechischen Wort für Tagesanbruck „Eosin“ benannten. Maßgeblich für den guten Ruf und die Erfondungen verantwortlich war jedoch sein Sohn Vilmos, der die Manufaktur bis zu seinem Tode im Jahr 1900 leitete. Er wurde auf der Pariser Weltausstellung mit der Goldmedaillie für eine Porzellanfayence ausgezeichnet, erfand den öffentliche und private Gebäude zierenden Pyrogranit und die bereits erwähnte Eosin-Glasur.
Im Zeichen der Sezession mit ihrer stilisierenden und dekorativen Linienführung wurden zwischen 1890 und 1910 außerordentliche Zsolnay-Keramiken gefertigt, ab dem ersten Weltkrieg traten jedoch die Fertigung von Alltagsgeschirr, Industrieporzellan und die Gebäudekeramik in den Vordergrund.
Der Zsolnaybrunnen
Der grünliche Brunnen vor der Kirche der Barmherzigen – eines der bedeutenden Wahrzeichen von Pécs - wurde von der Familie Zsolnay gestiftet und zeigt ebenfalls die bereits erwähnte Eosinglasur. Der Brunnen befindet sich in der Nähe des 1892 entfernten türkischen „Sprudel des Kadi“. Er wurde nach Entwürfen des Pécser Architekten Andor Pilch im Jahr 1912 gebaut, aber erst 1930 aufgestellt. Sein Material ist Pyrogranit, die Zierelemente sind mit gelblich-grüner Eosin-Glasur überzogen, vier Wasserbecken zäunen den Ochsenkopf-Sprudel in der Mitte ein.
Ein schöner Brauch
In den 80er Jahren etablierte sich wieder der Brauch Vorhangschlösser an einem Gitterzaun in der Janus Pannonius Strasse anzubringen. Über die Hintergründe gibt es verschiedene Geschichten. Während eine besagt, dass verheiratete Frauen durch das Anbringen des Schlosses ihren Liebhaber mitteilten, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen Besuch gekommen war, erzählt eine andere Geschichte, dass die Studenten der Stadt nach ihrem Studienabschluss die Schlösser ihrer Studienschränke an den Zaun gehängt haben. Jetzt hat allerdings die Romantik Einzug gehalten. Liebespaare bringen heute die Schlösser an, um die Untrennbarkeit ihrer Liebe zu symbolisieren und werfen dann die Schlüssel weg. Daher findet man auf vielen der Schlösser auch die Namen oder Monogramme der Liebenden.
Selbst der spanische Kronprinz Philipp und seine Frau bekräftigten anlässlich ihres Besuches 2004 in Pécs so ihre Liebe und Verbundenheit.




