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Szombathely, Savaria, Steinamanger

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Szombathely, Savaria, Steinamanger
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Das Iseum
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Szombathely - HauptplatzDrei unterschiedliche Namen für eine der außer-gewöhnlichsten Städte Ungarns. Seit mehr als 2000 Jahren durchgängig bewohnt, römische Kaiserstadt, Geburtsort des Heiligen Martins und von Karl dem Großen mit dem Ausruf: „So viele Steine am Anger“ bedacht, bietet Szombathely heute ihren Besuchern und Bewohnern viel Kultur und Kurzweil in vielen Veranstaltungen.

Die Geschichte

Die Römische Stadtgründung

SzombathelyÜber die Zeit vor den Römern ist nur wenig bekannt. Erst Entdeckungen in den letzten Jahren lassen darauf schließen, dass hier bereits eine keltische Siedlung bestand.
Die Stadt wurde 43 nach Christus vom römischen Kaiser Claudius unter dem Namen Colonia Claudia Savariensium gegründet. Bereits vor dieser Gründung errichtete Kaiser Tiberius hier eine Festung. Die Lage der Stadt an der Bernsteinstraße, am halben Weg zwischen Carnuntum (Deutsch-Altenburg) und Poetovio (Ptuj), sowie die fruchtbare Ebene boten die besten Voraussetzungen für eine blühende Entwicklung der Stadt.  Wahrscheinlich siedelten sich hier auch bald aemonische Bürger, die als Handelsleute damals bekannt waren, um die Festung an.
Bewohner der Stadt waren während der römischen Zeit überwiegend Veteranen der Legio XV. Apollinaris, die in Carnuntum stationiert waren und sich hier nach ihrem Dienst mit Familienmitgliedern niederließen. Das Land war fruchtbar und bot so den Menschen die Möglichkeit nach ihrem Ausscheiden aus dem Militärdienst ihren Lebensabend zu bestreiten. Ein Veteranenbezirk bestand aus ca 20-30 Hektar, die der Veteran mit seiner Familie und seinen Sklaven bebauen konnte. Im Zentrum des Grundbesitzes und zugleich der Wohnsitz des Inhabers war die sogenannte Villa Rustica, die häufig mit Bodenheizung, Badezimmer und mit bemalten und mit Mosaik verzierten Räumen ausgestattet war.
Neben Emona (Ljubljana – Slowenien) und Scarbantia (Ödenburg/Sopron – Ungarn) gilt Savaria als eine der ältesten Siedlungen der Provinz Pannonien.
Das Denkmal von Bischof Szily vor der KathedraleDie Stadt entwickelte sich sehr rasch und wurde zum Provinzzentrum der Verwaltung, in dem die Provinzversammlungen stattfanden, aber auch zu einem  Mittelpunkt des Kaiserkultes, da man hier auch Tempel für die zu Göttern gewordenen römischen Kaiser errichtete.  Nach der Neuordnung des Sitz des Statthalters und die Schatzkammer der Provinz. Hier veröffentlichte kaiserliche Verordnungen und Angaben antiker Geschichtsschreiber belegen auch die häufige Anwesenheit römischer Kaiser in der Stadt.
Die Römer bauten eine 25 km lange Wasserleitung, die aus den Quellen der der umliegenden Berge Trinkwasser und Badewasser für die öffentlichen Thermen in die Stadt brachte. Diese wurde komplett kanalisiert, die Straßen mit riesigen Basaltsteinen belegt, öffentliche Gebäude waren mit Statuen, Steinskulpturen und Mosaiken dekoriert, aber auch die Wohnhäuser mit Wandgemälden und Gipsstuck verziert.
SzombathelySavaria war zur Mitte des 2. Jahrhunderts eine typische römische Kleinstadt. Außerhalb der Stadtmauern standen wichtige Gebäude – im Westen und Süden befanden sich große Bezirke der Heiligtümer. Im Mittelpunkt des offiziellen Kults standen anfangs Jupiter, Juno und Minerva, sowie die religiöse Ehre der Kaiser. Vom 2. zum 3. Jahrhundert gewannen Mysterienreligionen östlicher Herkunft mehr und mehr an Bedeutung: diese ruhten auf einer starken emotionalen Verbindung und versprachen ein glückliches Leben im Jenseits für ein sittliches Leben im Diesseits. Verehrt wurden vor allem die ägyptische Isis, der persische Mythras und der syrische Jupiter Dolichenus. Der Isis-Kult in Savaria kann schon seit den 70er Jahren, also bereits kurz nach der Stadtgründung, nachgewiesen werden. Der Altar von Tiberius Julius Barbius stand ganz sicher schon im Isis-Heiligtum von Savaria. Das Isis-Heiligtum – nach römischer Tradition außerhalb der Stadtmauern gebaut – wurde unter der Herrschaft von Septimius Severus oder Caracalla entscheidend vergrößert und mit einem imposanten Portikus, die Hauptfassade mit Marmorskulpturen geschmückt. Das Iseum galt nicht nur als eines der prächtigsten Gebäude der Stadt, sondern gilt bis heute als die wichtigste orientalische Kultstätte in Pannonien.
Der Hauptplatz von SzombathelyAb dem Ende des 3. Jahrhunderts verbreitete sich das Christentum rasch auch in Pannonien und wahrscheinlich wurde das Heiligtum in den Jahren 370-380 abgerissen und auf dem Platz eine spätrömische Kornkammer (Horreum) errichtet.
Über die Anfänge des frühen Christentums in Savaria gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Anfänglich erließ die Stadt allerdings strenge Strafen gegen die, die religiöse Verehrung der Kaiser verweigernden, Christen. An der Wende zum 4. Jahrhundert war auch Pannonien Schauplatz ständiger Christenverfolgungen.  303 fand hier der Heilige Quirinus, Bischof von Siscia, der aus seiner Heimat in Kroatien geflohen war in Savaria den Märtyrertod. Dass die Flucht den Bischof aus Kroatien hierher führte, lässt bereits auf eine größere christliche Gemeinde schließen. Eine weitere wichtige Persönlichkeit der Christenheit erblickte in Savaria im Jahre 319 das Licht der Welt: der Heilige Martin wurde hier als Sohn eines Offiziers der hier stationierten Elitentruppe (lancearii Savarienses – die Lanzer von Savaria) geboren. Gässchen in SzombathelyAls Bischof von Tours in Gallien und durch die Legendenbildung über den „Verrat der Gänse“ bei seiner Ernennung zum Bischof, sowie durch die Teilung seines Mantels mit einem armen Bettler wurde er einer der bekanntesten Heiligen im frühen Mittelalter.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches zogen viele Bewohner von Savaria auf der Flucht vor den Hunnen nach Italien – der Legende nach gehören einige auch zu den Gründern von Venedig. Ein Teil blieb allerdings in der Stadt und sorgte dafür dass der antike Name von Szombathely erhalten blieb.
Nach einem Erdbeben am 7. September 456 sind kaum Aufzeichnungen über die Entwicklung der Stadt bekannt. Die Bernsteinstraße wurde bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts benutzt und es ist anzunehmen, dass die sich hier ansiedelnden  Völker, wie Hunnen, Ostgoten, Langobarden und Awaren) versuchten, die Vorteile des daraus sich ergebenden Handels für sich zu nutzen.
Szombathely - GässchenErst Ende des 8. Jahrhunderts begann die Stadt wieder eine wichtige Rolle zu spielen, als der Frankenkönig Karl der Große die Stadt – jetzt Sabaria genannt – 791 während eines Feldzugs besucht. Wahrscheinlich wollte der König den Geburtsort des Heiligen Martins besuchen, der schon damals   der Schutzheilige des ganzen fränkischen Reiches verehrt wurde. Ende des Jahrhunderts wurde West-Transdanubien vom Frankenreich annektiert und verwaltungstechnisch dem Bayrischen Fürstentum angeschlossen. Nach der Karolinger Eroberung gehörte die Bernsteinstraße in ihrer ganzen Länge wieder zu einem einzigen Reich. Pannonien wurde in zwei Grafschaften untereilt: die nördliche Grafschaft auf dem Territorium des heutigen Komitats Györ-Moson-Sopron und die südliche (Raab) Grafschaft auf dem Gebiet des mittelalterlichen Komitats Vas.
SzombathelyIm Jahre 900 gelangte West-Pannonien in Besitz der landnehmenden Ungarn, allerdings schützte die unbewohnte Umgebung von Savaria noch 50 Jahre lang als Grenzzone die Grenzen des jungen ungarischen Fürstentums. In den Quellen ist von Sabaria nur mehr als Mitgift von Gisella die Rede. Durch die abnehmende Bedeutung der Bernsteinstraße verlor auch die Stadt an Einfluss und positiver Entwicklungsmöglichkeit. Mit dem, vom Hl. Stephan eingeführten, neuen Komitatssystem wurde Savaria-Sabaria Teil des westlichen Grenzkomitats des Landes. Vasvár mit seiner Burg wurde als Komitatssitz bestimmt – Savaria verlor weiter an Bedeutung.
Seit dem 13. Jahrhundert im Besitz des Bischofs von Györ, erhielt Szombathely  im 14. Jahrhundert die Stadtrechte. Ein Privilegbrief mit Sonderrechten stammt allerdings erst aus dem Jahre 1407. Szombathely ist seit dem Mittelalter auch unter den Namen Savaria, Sabaria und Steinamanger bekannt. Ende des 15. Jahrhunderts war die Stadt bereits mit einer Mauer zum Schutz umgeben. Als Grund der Festung diente Hausfassade in Szombathelydie römische Stadtmauer, an den Ecken standen runde Türme. Die Stadt hatte auch das Recht Märkte abzuhalten -  in Szombathely wurde im 16. Jahrhundert mindestens fünfmal ein Landesmarkt veranstaltet: vor dem Faschingssonntag, am Georgitag, am Dreifaltigkeitstag, am Frauentag und am Andreastag. Der große Markt zu Ehren des Heiligen Martins am Martintag kam erst viel später dazu.
Als Bischofssitz verfügte die Stadt schon im 13. Jahrhundert über zwei Kirchen: die Kirche des Hl. Martins außerhalb der Stadtmauer und die Kirche der Heiligen Jungfrau – auch Burgkirche genannt. 1346 kamen die Franziskaner in die Stadt, gründeten ein Spital für die Armen und bauten vorerst eine Kapelle und danach ihre gotische Kirche, die sich wie das anschließende Klostergebäude in der Nähe des östlichen Stadttores befand. Die mittelalterliche Hl. Martinkirche und die mehrmals umgebaute Franziskanerkirche sind auch heute noch zu sehen – die Burgkirche ließ Bischof János Szily bei den Bauarbeiten zum Dom nieder reißen. Später mussten sie im Zuge der Reformation die Stadt verlassen und kamen erst während der Zeit der Gegenreformation nach den Jesuiten wieder nach Szombathely zurück.Hauptplatz Szombathely
Hatte die Stadt nach dem Niedergang der Bernsteinstraße einiges an Einfluss und Größe verloren, gewann sie während der Türkenkriege wieder an Bedeutung, da sie nie von diesen bedroht wurde und daher das Stiftkapitel von Vasvár in das sicherere Szombathely verlegt wurde – die Stadt wurde wieder kirchliches Zentrum, Ansiedler zogen aus den von den Türken zerstörten Gebieten nach Szombathely um.
Dennoch hatte die Stadt unter ständischen Kämpfen und Unabhängigkeitskriegen zu leiden. Auch der „Rote Hahn“, wie die Feuerbrünste damals genannt wurden, besuchte des Öfteren die Stadt. Das Altarbild St. Florian in der Franziskanerkirche zeigt das große Feuer, das am 3. Mai 1716 die Stadt zerstörte.
Am 17. Feber 1777 begann eine neue Epoche. An diesem Tag wurde im Rahmen der Landeskirchenreform die Diözese Szombathely von Maria Theresia gegründet, der erste Bischof János Szily von Felsőszopory begann gleich mit dem Ausbau der Stadt im Barockstil vom Architekten Menyhért Hefele unterstützt, der den historischen Stadtkern von Szombathely plante. Die Burg musste dem Bischofssitz und dem Dom weichen und Szily plante seine Kirche gleich für zukünftige Zeiten: und obwohl 1791 die Stadt damals nur an die 2500 Einwohner zählte, sollten in seinem Dom an die 5000 Gläubige Platz finden.
SistrumIm Zuge der Märzrevolution wurde die Stadt 1848 durch österreichische Truppen besetzt.
1865 wurde die Bahnstrecke Sopron – Szombathely – Nagykanizsa eröffnet und sorgte für einen weiteren Aufschwung, der sich durch den Ausbau der Verbindungen weiter verbesserte. Der 1900 im Sezessions-Eklektikstil errichtete Bahnhof sorgte für eine verbesserte Bequemlichkeit der Reisenden, die industrielle Entwicklung der Stadt begann: es entstanden Maschinen- und Lederfabriken, auch die Ungarischen Motor- und Maschinenwerke ließen sich in Szombathely nieder.
Die Stadt entwickelte sich aber auch kulturell und wissenschaftlich weiter: Am 19. August 1880 wurde feierlich das erste Theater eröffnet und am 26. August desselben Jahres sorgte die 21. Versammlung der Ungarischen Ärzte und Naturforscher des Gymnasiums mit der Wiederholung des Foucault’schen Pendelversuches in der Kathedrale für Aufsehen. 1895 werden die Elektrischen Werke gegründet und am 4. Juni 1897 wird die erste Straßenbahn in Gang gesetzt.
SzombathelyDie Grauen des Zweiten Weltkrieges verschonen Szombathely nicht: am 4. März 1945 wird die Stadt durch englische Flieger in vier Wellen bombardiert, nicht nur Bahnhof und Flughafen werden zerstört, 70% der Gebäude werden dabei schwer beschädigt, 300 Menschen kommen ums Leben.
Die einrückende Sowjetarmee konfisziert die noch übrig gebliebenen Güter. Bei den Wahlen am 4. November erhalten die Kommunisten nur 9% der Stimmen, daraufhin wird das bisherige Obergespan aufgelöst, der Beamtenapparat umorganisiert und in der Stadt kommunistische Versammlungen abgehalten.
Während der Revolution von 1956 wird auch Szombathely erfasst – die Bewegung fordert auch hier Todesopfer, mehr als 500 Menschen werden zur Verantwortung gezogen, 156 zu Gefängnisstrafen verurteilt, einige in die Sowjetunion deportiert.
Die 60er und 70er Jahre bringen die für diese Zeit typische Architektur: monumentale Wohnsiedlungen werden errichtet, es wird wenig Rücksicht auf frühere Epochen genommen. Trotzdem hat die Stadt auch diese Zeit gut überstanden. Ende des 20.Jahrhunderts ist die Stadt wieder das größte Handels- und Kulturzentrum der Region, die Grenzen zum Nachbarn sind offen, viele Ungarn und Österreicher pendeln hin und her, Kinder besuchen in den Nachbarländern die Schule.
Heute ist sich Szombathely sowohl ihrer Stellung als auch ihrer Vergangenheit bewusst. Stolz verweist man auf die 2000 Jahre Vergangenheit und trägt sie mit dem Savaria Karneval in die ganze Region. Der neu renovierte Isis-Tempel, der Römergarten, aber auch die Veranstaltungen um den Martinitag und vieles mehr bringen viele Besucher in die Stadt, die heute wieder wie früher über den Marktplatz flanieren, die Sehenswürdigkeiten und kulturellen Angebote genießen und sich an den Darbietungen und den Spezialitäten kulinarischer Art erfreuen.



 
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Datum 01.05.11
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