Pula
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Pula ist die größte Stadt der Halbinsel Istrien und eine der schönsten und geschichtsträchtigsten von Kroatien. Ihre Geschichte reicht von der Legende der Argonauten über die Römer bis hin zum Militärhafen der Österreichisch-Ungarischen Armee – wobei man die Zeit der Einflusses der Serenissima auch nicht vergessen sollte. Kultur, Natur und buntes Treiben…
Die Geschichte
Der Legende nach wurde Pula von den Colchidiern gegründet, die bei ihrer erfolglosen Jagd nach den Argonauten und dem Goldenen Vlies, die weitere Verfolgung aufgaben und aus Angst vor ihrem König nicht nach Hause zurück kehrten, sondern sich in Pula ansiedelten.
Die Spuren der Dinosaurier sind jedoch wissenschaftlich belegt – zahlreiche Fußabdrücke wurden in der Bucht von Premantura sowie auf einigen Inseln in der Nähe von Medulin und Brijuni gefunden. Besonders bedeutsam ist jedoch der Fund von Dinosaurierknochen im Küstenstreifen neben Bale, 20km von Pula entfernt. Es ist der einzige Fund solcher Art im ganzen Mittelmeer.
Als ältester Fund, der auf die Anwesenheit von Menschen schließen lässt, gilt ein Steinmeißel, der in der Höhle von Šandalja gefunden wurde und auf ein Alter zwischen 800.000 und 2 Millionen Jahre geschätzt wird.
Reste des Urmenschen, seine Werkzeuge und die Knochen verschiedener Urtiere aus dem späten Paläolithikum, die in derselben Höhle gefunden wurden, gelten als sichere Beweise.
Auf dem Höfel über der Bucht von Pula befand sich schon 1000 Jahre v.Chr. eine Siedlung, die allerdings noch keine große Bedeutung hatte.
Das Hauptmilitär- und Verwaltungszentrum vor dem Erscheinen der Römer war Nesactium, unweit von Pula gelegen. Bis zum Frühling 177 v.Chr. halten die histrischen Krieger den Römern stand, die aber schlussendlich Nesactium mit Hilfe einer List erobern können. Die Veränderung des Wasserlaufs erschreckte die Histren so stark, dass sie aufgaben. Ihr König Epulon beging Selbstmord mit seinem eigenen Schwert.
Nach dem Fall der Stadt eroberten die Römer ganz Istrien. Etwa in der Mitte des 1.Jh.v.Chr. bekommt Pula den Status einer römischen Kolonie, es wird zum Handels- und Verwaltungszentrum. Davon zeugen zahlreiche Denkmäler: das Amphitheater, Kleines und Großes Theater, der Triumphbogen der Sergier, sowie der, dem ersten römischen Kaiser Octavius Augustus gewidmete Augustustempel. Das Forum entsteht sowie viereckige römische Häuser, sowie das Stadttor und die Stadtmauer. Die Umgebung der Stadt blüht förmlich auf: Weintrauben und Oliven werden gezüchtet, Amphoren für die Lagerung und den Versand hergestellt und aus dem Stein der nahen Steinbrüche wird unter anderem das Amphitheater gebaut.
Allerdings geht diese Blütezeit bald vorbei: Innere Unruhen, verbunden mit Durchbrüchen der Barbaren schwächen im 3. und 4. Jh. den römischen Staat. Die Christenverfolgung wird immer intensiver betrieben. Einer Legende zufolge wurde der Heilige German, ein Märtyrer aus Pula, im Amphitheater zu Tode verurteilt und geköpft.
Die Herrscher über das Gebiet wechseln ständig: die Ostgoten beisitzen das Gebiet 50 Jahre, im Jahr 539 erobern die Byzantiner unter Kaiser Justinian die Stadt und beherrschen sie zwei Jahrhunderte, 788 wird Pula unter Karl dem Großen ein Teil des Fränkischen Reiches, danach kommt Pula zum Bayrischen Herzogtum, später untersteht es der kirchlichen Obrigkeit aus Aquilleia. Bischöfe werden so zu den Hauptträgern des Geisteslebens und der Herrschaft im 10. und 11. Jahrhundert.
Die Familie De Pola (auch Castropola oder De Sergi) gewinnt im 12. und 13.Jh immer mehr an Einfluss und Bedeutung und wird schließlich die mächtigste Familie in Pula.
Ihr größter Gegner heißt Venedig, die Serenissima beginnt die Eroberung der istrischen Halbinsel und kann nicht gestoppt werden. Sie zwingt die istrischen Städte einen Treueid abzulegen, den auch Pula im Jahr 1145 zum ersten Mal ablegt. Nach einem Aufstand gegen Venedig im Jahre 1150 wird Pula grausam ausgeraubt und zerstört. Obwohl es in der Folge noch kleinere Aufstände bis in 14.Jh. gibt, fügt sich Pula in seine Lage. Die venezianische Herrschaft bedeutet aber auch das Ende des Wohlstands der Stadt. Sie verliert ihre Bedeutung als Handels- und Verkehrszentrums. Zusätzlich hat sie mit Pestepidemien und anderen Seuchen zu kämpfen. 1613 hat Pula nur noch 300 Einwohner. Menschen aus Bosnien, Dalmatien und Montenegro werden hier angesiedelt, können aber nichts an der schlechten Situation verbessern. 1797 – mit dem Ende der Venezianischen Republik – ziehen napoleonische Soldaten in Pula ein. Die Franzosen beenden das Feudalsystem, schränken den Einfluss der Kirche ein, jedoch bringen neue Steuern und die Rekrutierung der Bevölkerung für diverse Kriege neue Probleme.
Ab 1813 wendet sich die Lage wieder. Die Habsburgermonarchie herrscht nun über Pula und Istrien und
baut ab 1853 Pula zum Hauptkriegshafen der Monarchie aus, das zu einem Aufschwung der Stadt führt. Nach dem Kriegsende wird Istrien gemäß dem Vertrag von Rapallo an das Königreich Italien angeschlossen, das mit allen Mitteln versucht, die kroatische Nationalidentität zu verdrängen: so werden kroatische Schulen geschlossen, Zeitungen in kroatischer Sprache dürfen nicht mehr erscheinen. Die Wirtschaft geht wieder stark zurück.
Im 2.Weltkrieg wird die italienische Okkupation durch die Deutsche ersetzt – die Stadt wird gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Alliierten bombardiert, zahlreiche Denkmäler werden beschädigt. 1947 wird der größte Teil Istriens an Kroatien angeschlossen, als ein Teil der Republik Jugoslawiens, auch diesmal kommt es zum Exodus der istrischen Bevölkerung, diesmal der italienischen Nationalität.
Erst die Unabhängigkeitserklärung von 1990 bringt die Gleichberechtigung der unterschiedlichen Nationalitäten. Die Stadt wird touristischer Mittelpunkt und ein neuerlicher Aufschwung beginnt.



