Brno (Brünn)
Die Geschichte Brünns
Die Besiedlung des Gebiets um Brünn begann sehr früh: auf Stránska skála finden sich Spuren des Home erectus, auch der Cromagnon-Mensch war hier anzutreffen. Ab 500 n.Chr. gibt es erste Belege einer slawischen Besiedlung, um 1000 n.Chr, entstand an einer Furt des Flusses Svratka das heutige Staré Brno (Altbrünn). 1021-1034 wird auf der Petrov-Anhöhe die Burg Brünn und die Kirche des Hl. Michaels erbaut. Die Burg gibt der Stadt, die 1091 erstmals schriftlich erwähnt wird, auch Ihren Namen. Fürst Břeticlav, aus dem Geschlecht der Přemysliden gilt als Erbauer. Um die Marktplätze unterhalb der Burg entwickeln sich tschechische Dörfer – sowohl in Altbrünn als auch um den Oberen Markt, dem Krautmarkt. 1243 erteilt Wenzel I. der Stadt königliche Privilegien, Deutsche Flamen und Wallonen siedeln sich um den Unteren Markt (heute namesti Svobody-Platz) an, im unteren Teil der heutigen Masaryk-Straße bilden die Juden ihre Gemeinde.
Zum Schutz der Stadt wird in mehreren Schritten eine Stadtmauer mit fünf Toren (Meninska, Zidovska, Starobrnenska, Vesela und Behounska) gebaut. Neben den zwei Pfarrkirchen – St.Peter und St.Jakob – entstehen mehrere Klöster: die Benediktiner in Komarov, die Prämonstratenser in Zabrdovice, Dominikaner, Minoriten, das Herburger Kloster, die Kommende der Johanniter und die Zisterzienserinnen in Altbrünn, gegründet von Königin Eliška Rejčka. Sie war die Witwe der böhmischen Könige Wenzel II. und Rudolf von Habsburg und lebte nach 1318 ständig in Brünn. 1348 wird die Stadt zum ständigen Sitz der mährischen Markgrafen, ein Jahr vorher wurde von Markgraf Johann festgelegt, dass alle Kaufleute aus Österreich, Ungarn, Polen, etc mit ihren Waren durch Brünn fahren müssen. Die Stadt blüht während dieser Zeit auf: sie besteht aus etwas 1000 Häuser und hat 11.000 Einwohner und durch das Jahrmarktsrecht wächst der internationale Handel. 1355 erstellt der Rathausschreiber Johann ein Buch mit den Sprüchen der Brünner Ratsherren, das zum juristischen Vorbild vieler Städte wird. 1376 erhält die Stadt das Recht, den Schultheiß frei zu wählen und Gerichte abzuhalten.
Während der Hussitenkriege wird die Stadt zweimal belagert, kann jedoch nicht eingenommen werden. 1454 siedelten sich die Juden in der Umgebung der heutigen Křenova-Straße an, nachdem sie König Ladislav Pohrobek aus der Stadt verbannt hatte. Zur Regierungszeit von Jiři z Podebrad schließt sich Brünn seinem Gegner Matyas Korvin an. 1641 wird Brünn Hauptstadt von Mähren. 1643 und 1645 wird Brünn von der schwedischen Armee belagert, wird aber als einzige Stadt in Mähren nicht eingenommen. Dadurch ist es dem österreichischen Reich möglich, eine neue Armee aufzustellen und so die Schweden zurück zu schlagen. Danach wird die Festung erneuert, die Stadtmauern erweitert, Brünn wird zu einer uneinnehmbaren Barockfestung.
Im 18. Jahrhundert beginnt die Industrieentwicklung – in Brünn konzentriert sich vorallem die Textil- und Maschinenbauindustrie. 1763 wird die erste Textilmanufaktur gegründet. 1839 wird die Eisenbahnlinie Wien-Brünn fertig gestellt und der erste Zug erreicht die Stadt. Brünn verliert zunehmend den Festungscharakter, die Stadtmauer wird nach Wiener Vorbild geschleift, Gebäude und Grünflächen werden am neuen Stadtgürtel errichtet. Die Burg wird zu einem berüchtigten Gefängnis der Habsburger-Monarchie. Hier werden neben Kriminellen auch politische Gegner des österreichischen Reiches eingesperrt, - so erhält es seinen Namen: „Gefängnis der Nationen“. 1847 wird die Gasbeleuchtung in Brünn eingeführt, 1869 fährt die erste Pferdestraßenbahn. Und es wird geforscht: 1865 formuliert der Brünner Augustiner J.G. Mendel im Altbrünner Kloster seine Vererbungslehre.
1881 wirkt Leoš Janáček als Direktor an der Orgelschule und als Professor am Konservatorium. Das neu gebaute, deutsche Stadttheater wird als das Erste in Europa mit edisonschen Glühbirnen beleuchtet. Edison reist 1911 persönlich an, um die Installation zu inspizieren. 1897 wird das städtische Elektrizitätswerk gebaut und 1900 wird die Straßenbahn elektrifiziert. Brünn bleibt die Stadt der Erfinder und Forscher: 1914 fertigt Viktor Kaplan seine erste Turbine in Brünn. Aber auch die Architektur prägt die Stadt: neben vielen anderen Gebäuden des Funktionalismus entsteht 1930 die Villa Tugendhat von Mies van der Rohe, die heute zum Unesco Weltkulturerbe zählt.
Durch den 2. Weltkrieg werden nicht nur Gebäude beschädigt – während der nationalsozialistischen Okkupation sterben viele tschechische Bürger auf der Richtstätte im Kounic-Studentenheim. 1945 wird dann die deutsche Bevölkerung aus der Stadt ausgewiesen (Brünner Todesmarsch). Die anschließende kommunistisch geführte Periode bringt Brünn wirtschaftliche und politische Stagnation, die jetzt langsam überwunden wird.




