Lednice und Valtice
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Das Areal von Lednice und Valtice.
Es ist schwer, ja nahezu unmöglich, für dieses Gebiet eine Zuordnung zu Kultur und Sehenswürdigkeit oder Naturschönheiten zu treffen. Es vereint beides. Eine einzigartig komponierte Parklandschaft, die sich über Jahrhunderte durch kundige Hände entwickelt hat mit wunderschönen Baudenkmälern, die allesamt sehenswert sind. 1996 von der UNESCO in das Weltkultur- und Naturerbe aufgenommen, sind die „Gärten von Lednice“ nahe an der österreichischen Grenze mehr als einen Besuch Wert.
Die Geschichte der Liechtensteiner und ihrer Besitztümer in Lednice und Valtice
1222 findet sich die erste urkundliche Erwähnung über eine gotische Festung mit einem Hof, die vom böhmischen König Přemysl Otakar I. an die Familie Sirotek, österreichischen Adeligen geschenkt wurde.
1249 verleiht König Václav I. einen Teil an Siegfried Sirotek, während ein anderer Teil von Lednice (Eisengrub) vom Markgrafen Přemysl an Heinrich von Liechtenstein geht. Die Liechtensteiner, die ursprünglich aus der Steiermark (1130) stammen, bekommen auch das nahe Mikulov (Nikolsburg) in ihrem Besitz und vergrößern ihre Ländereien schrittweise an beiden Seiten der mährisch-österreichischen Grenze. Der erste „berühmte“ Liechtensteiner war Ulrich (1200-1275), ein Ritter und Minnesänger, der als der Gründer der steirischen Linie bezeichnet werden kann. Sein Bruder Heinrich kämpfte mit Přemysl II in vielen Schlachten und erhielt als Dank das Schloss Mikulov – er wird als Gründer der mährischen Linie bezeichnet. Die Liechtensteiner dienten anfangs im Heeresdienst, in der Renaissance entwickelten sie auch wirtschaftliches Geschick und in der 2. Hälfte des 14.Jahrhunderts übernahmen sie auch höchste Landesämter.
Unter den Brüdern Karl, Maximilian und Gundakar von Liechtenstein sicherten sie sich durch geschickte Heiratspolitik den großen Reichtum des alten mährischen Adelsgeschlechtes von Černohorský von Boskovice. Anfangs waren die Brüder wie ihr Vater und Großvater Protestanten, doch bald traten sie zum katholischen Glauben über und unterstützten den Kaiser. Karl wirkte am Hof Rudolf II und wurde 1604 Landeshauptmann in Mähren. 1608 wurde er vom späteren König Matthias II in den Fürstenstand erhoben und erhielt das Fürstentum von Troppau.
In diesem Jahr siedelten sich die Liechtensteiner dauerhaft in Valtice an – das nahe Lednice wurde ihr Sommersitz.
Karl unterstützte während des Ständeaufstandes die Habsburger und nahm auch an der Schlacht am Weissen Berg teil. 1620 – nach der Niederlage der Stände – kauften die Liechtensteiner systematisch das eingezogene Vermögen der unterlegenen Widerstandskämpfer auf und wurden so zum reichsten Adelsgeschlecht in
Mähren. Dieser Reichtum ermöglichte ihnen auch den Aus-, Um- und Weiterbau des Schlosses und der Parkanlagen in Lednice (Eisgrub).
Wahrscheinlich wurde die mittelalterliche Wasserfestung schon im 16.Jahrhundert von Hartmann II. von Liechtenstein niedergerissen und durch den Bau eines Renaissance Schlosses ersetzt. Ende des 17.Jahrhunderts wurde auch dieses Bauwerk abgerissen und in eine Barockresidenz mit einem ausgedehnten architektonisch gestalteten Garten umgewandelt. Zu dieser Zeit entstand auch die monumentale Reithalle nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach. Diese blieb bis heute in einer nur wenig veränderten Gestalt erhalten. Im 18.Jht. wurde es um ein Geschoss mit Halbgeschoss ergänzt, die südlichen Gebäudeteile erweitert und im westlichen Teil entstand eine Kapelle, die bis heute als Pfarrkirche für Lednice dient. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts vollendete Architekt Joseph Kornhäusel für Fürst Johann I. den Gartenflügel des Schlosses und vereinheitlichte gleichzeitig die ganze Fassade im Empirestil.
Das heutige Aussehen des Schlosses stammt aus den Jahren 1846-1858. Fürst Alois II. von
Liechtenstein entschied, dass Wien für die Veranstaltung von Sommerfesten nicht passend sei und ließ Eisgrub zu einem Repräsentations-Sommersitz im Geiste der englischen Gotik (Tudor-Gotik) umbauen. Aus dieser Zeit stammt auch der Bau des Gewächshauses nach einem Projekt des Wiener Architekten Georg Wingelmüller, der auch einen großen Teil des Schlosses entwarf und vermutlich unter Mitwirkung des englischen Architekten H.Desvignes die Realisierung leitete. 1848 verstarb Wingelmüller, sein Assistent Johann Heidrich vollendete den Umbau.
In den Repräsentationssälen im Erdgeschoss fanden großartige Veranstaltungen des europäischen Adels statt. Sie wurden mit geschnitzten Decken, Wandholzverkleidungen und ausgewähltem Mobiliar ausgestattet, die in Europa keine Parallele haben. Die dekorativen, mit einem Netz von Stuckrippen bedeckten Gewölbe konkurrieren sich mit geschnitzten Holzdecken, ergänzt mit Tapeten, Kunstwerken und geschnitzten Möbeln und vereinen alles zu einem harmonischen Ganzen. Besonders sehenswert sind die Spindeltreppe in der Bibliothek, die Kassettendecke aus Lindenholz im Blauen Saal, das Lebensbaum-Relief aus Elfenbein und die Marmor-Kamine. Bei den Rundgängen kann auch das im Schloss untergebrachte Landwirtschaftsmuseum mit seinem Unikat – dem Kopf eines Mammuts – besichtigt werden.




