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Plzeň (Pilsen)

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Plzeň (Pilsen)
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Pilsen BrauereiMit der viertgrößten Stadt verbindet man zu aller erst das Pilsner Bier, Namensgeber und Urahn aller „Pils“, die so um den Erdball getrunken werden. Manche verbinden mit der Stadt Industrie und Skoda – auch nicht ganz falsch. Aber wussten Sie von ihrer wunderschönen Innenstadt, dem Puppenmuseum, der böhmischen Madonna und wie ein Kamel ins Wappen der Stadt kam? Nein? Dann wollen wir hier einiges über Pilsen erzählen, aber gleich zu Beginn der Tipp: Am besten Sie schauen sich das alles selbst an ….

Geschichte:

Pilsen Bartholomäuskirche - Hl. WenzelPilsen wurde 1295 im Auftrag des böhmischen Königs Wenzel II. gegründet. Zwar existierte bereits ungefähr fünfzehn Kilometer vom heutigen Pilsen entfernt eine Stadt „Altpilsen“, diese jedoch lag in einem Teil und war daher durch die natürliche Umgebung in ihrem Wachstum begrenzt. Pilsen wurde an einem strategisch wichtigen Platz gegründet: einerseits war die Stadt durch den Zusammenfluss von vier Flüssen (Mies, Radbusa, Úhlava und Úslava) gut geschützt, auf der anderen Seite lag sie an drei wichtigen Handelswegen, die von Prag nach Regensburg, Nürnberg und Sachsen führten. Durch die Zolleinnahmen war auch bereits ein wirtschaftlicher Grundstein gelegt, die die Stadt bereits Pilsenim Mittelalter zur drittgrößten Stadt in Böhmen - hinter Prag und Kuttenberg (Kutna Hora) - heran wachsen ließ. Bald nach der Gründung hatte die Stadt bereits 3000 Einwohner und obwohl die jüngste königliche Stadt in Westböhmen, entwickelte sie sich schnell zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum der ganzen Region.
Wie man auch sehr schön am Modell im Rathaus sehen kann, wurde die Stadt sehr großzügig angelegt – rechtwinkelige gerade Straßen zeichnen die Stadt von Anfang an aus. In der Mitte ein riesiger Marktplatz mit 136 x 193 Meter, der zu den größten mittelalterlichen Marktplätzen in Europa gehört. 1300 wird die Pilsen BraumeisterzunftStadt erstmals urkundlich erwähnt, nach 1400 werden in Pilsen bereits 46 verschiedene Handwerke aufgezählt. 1417 übernahmen die Hussiten eine kurze Zeit alle wichtigen Positionen der Stadt, kurze Zeit (1419) war sie sogar das Zentrum der Bewegung. Der berühmte Heerführer Žižka gehörte zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt – er erzielte 1419 seinen ersten Sieg in der Schlacht bei Nekmíř; obwohl er schließlich beide Augen verlor, wurde er nie in einer Schlacht besiegt.
Pilsen ZunftzeichenPilsen wurde vom westböhmischen katholischen Adel natürlich während dieser Zeit blockiert, die Lage der Hussiten wurde immer schwieriger, sodass sie 1420 die Stadt verließen. Pilsen wechselte sofort an die Seite der königlichen Macht und des Katholizismus. Fünf Mal versuchten die Hussiten in den kommenden Jahren die Stadt einzunehmen, scheiterten aber jedes Mal. Bei der Belagerung der Stadt 1433 hatten die Hussiten ein Kamel, ein Geschenk des polnischen Königs, mit dabei. Die Pilsner waren so fasziniert von dem unbekannten Tier, dass sie es unbedingt in ihren Besitz bringen wollten. So wurde ein Ausfall versucht und es gelang ihnen wirklich das Tier zu erbeuten und in die Stadt zu bringen. Das Kamel lebte Pilsen Brauereimuseumangeblich sehr lange in der Stadt und wurde möglicherweise später an Nürnberg verschenkt. Nach den Hussitenkriegen wurden alle Städte die König Sigismund geholfen hatten, reich beschenkt – so auch Pilsen: Steuern, Maut und sonstige Gebühren wurden erlassen und er schenkte Ihnen das Kamel ins Stadtwappen.
1468 fand ebenfalls ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der Stadt statt. Zum ersten Mal wurde hier die Technologie des Buchdrucks angewandt.
Pilsen1599 brach in Prag eine Pestepidemie in Prag aus, worauf Rudolf II. mit seinem Hofstaat nach Pilsen übersiedelte und das Reich von hier aus regierte. Er lebte im „Weißen Haus“ links neben dem Rathaus (heute Sitz des Informationszentrums), das bis heute „Kaiserhaus“ genannt wird. Rudolf kaufte es und ließ es zur Residenz ausbauen, allerdings kehrte er nie mehr zurück. Sein einjähriger Aufenthalt war allerdings ein positiver Impuls für die Stadtentwicklung.
Der Dreißigjährige Krieg brachte Pilsen Armut und große Schulden, allerdings blieb die Stadt immer dem Kaiser treu. 1618 wurde sie allerdings nach kurzer Belagerung von einem Heer der Stände unter Ernst von Mansfeld eingenommen und blieb bis 1621 besetzt.
Pilsen - BürgerVereinshausAb 1631 war Pilsen Basis eines kaiserlichen Heeres, das zum Schutz der Stadt von einer sächsischen Armee aus Bayern abkommandiert war. Die Unterbringung und Verpflegung der Soldaten belastete die Stadt jedoch wirtschaftlich schwer und führte zu hohen Schulden.
Pilsen BürgervereinshausNach dem Dreißigjährigen Krieg war die Wirtschaft der Stadt ruiniert, die Vorstädte abgebrannt, die Stadtbevölkerung dezimiert und ein Drittel der Bürgerhäuser in der Innenstadt verwüstet und die Stadt konnte sich nur sehr langsam von dieser Situation erholen. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts erreichte die Einwohnerzahl wieder den Pilsen BürgervereinshausStand vor dem Krieg, Pilsen blieb aber dennoch bis ins 19. Jahrhundert eine Provinzstadt ohne größere Bedeutung.
Erst in der zweiten Hälfte erreichte Pilsen wieder Größe und Bedeutung: 1869 entstand hier das Maschinenbauunternehmen Škoda. 1898 hatte das Eisenbahnwerk der Staatsbahnen, das auch in der Stadt beheimatet war etwa 2.000 Angestellte. Zwischen 1861 und 1877 wurde der Pilsner Eisenbahnknoten fertiggestellt, 1899 verkehrte die erste Straßenbahnlinie.
Pilsen Hruvinek und SpejblŠkoda wurde zu einer der größten Waffenschmiede in Österreich-Ungarn, 1917 arbeiteten 32.000 Arbeiter in der Fabrik, auch in der Zeit des Protektorats wurden hier Waffen für das Deutsche Reich hergestellt, dadurch waren die Škoda-Werke auch das Ziel schwerer Luftangriffe durch die Alliierten.
Doch im Werk wurden nicht nur Waffen hergestellt: in der Zwischenkriegszeit baute Škoda Lokomotiven, Zuckerfabriken, Mühlen, Brauereien, Kraftwerke, etc. 1925 wurde der Automobilhersteller Laurin & Klement – heute Škoda Auto – Pilsenübernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden anfangs Dampf- und später E-Lokomotiven hergestellt, aber auch Turbinen und Kraftwerksanlagen, ab den fünfziger Jahren begann man ein ziviles Nuklearprogramm. Nach der Wende1989 wurde der Konzern privatisiert und in einzelne Bereiche aufgeteilt.
Ab 1945 setzte auch hier die Vertreibung der deutschen Bevölkerung ein.

Heute ist die Stadt vor allem durch ihr Pilsner Urquell bekannt, die „Mutter“ aller Pils-Biere, besitzt eine wunderschöne Altstadt mit großem Kulturangebot für Alt und Jung und ist Universitäts- und Bistumsstadt. Pilsen wurde auch zur Kulturhauptstadt 2015 ernannt.