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Maribor (Marburg)

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Maribor (Marburg)
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Minoritenkloster und Alte Rebe
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Wehrturm in Maribor an der DrauMaribor, Marburg, die zweitgrößte Stadt Sloweniens und 2012 europäische Kulturhauptstadt. Eine Stadt, die für viele auf dem Weg in den Süden liegt, kaum ein halbe Stunde von Graz entfernt. Die dem Durchreisenden ihre Industrieviertel zeigt, aber nicht ihre wunderschöne Innenstadt, den Lent, die Alte Rebe und vieles mehr. Es wird Zeit, das alles zu entdecken.

Geschichte

Maribor - Das Gebiet um Maribor ist bereits lange Zeit besiedelt, so finden sich Funde aus der jüngeren Steinzeit, Urnenfelder, keltische Funden und man konnte eine römische Villa Rustica nachweisen. Als Geburtsstunde gilt jedoch das Jahr 1164, in dem der Kärntner Herzog Bernhard von Spanheim auf dem Hügel Piramida eine Festung errichten ließ (heute erinnert noch die Kapelle, die vom Schloss aus zu sehen ist daran). Von dieser Festung leitet sich auch das deutsche „Marburg“ ab – die Burg in der Mark (Grad v marki) – die Siedlung unterhalb des Hügels nannte sich Markburg. Mark bedeutete Grenzland – das Grenzland zu Ungarn. Der slowenische Name „Maribor“ entstand erst 1918 als die Stadt und ihre Umgebung zum Staat der Slowenen, Kroaten und Serben kam.
Maribor - Das bischöfliche Palais1209 erhält die Siedlung die Marktrechte und 1254 wird sie erstmals als Stadt erwähnt. Ein Jahr später beginnen die Bürger mit dem Bau einer zwei Kilometer langen Stadtmauer, die den alten Stadtkern schützen soll und die sie zusätzlich mit Wehrtürmen verstärken. Der Gerichtsturm (Sodni stolp) der Tscheligiturm (Tscheligijev stolp), der Judenturm (Židovski stolp) und der Wasserturm (Vodni stolp) halfen die Stadt zu schützen. Auch die Stadtburg, die im 15. Jahrhundert auf Befehl von Kaiser Friedrich III. errichtet wurde mit dem Ziel, den nordöstlichen Teil der Stadtmauer zu sichern und ihr Wassergraben hielten viele Feinde ab. Sahen die Verteidiger von Maribor von ihrem „Hochsitz“ am Hügel Piramida feindliche Heere kommen, wurde ein Schuster zu den Teichen geschickt. Er öffnete zum richtigen Zeitpunkt das Wehr, das Wasser schoss in den Burggraben und schwemmte die Angreifer weg bis in die Drau. So wurde die Stadt 1480 und 1481 von Matthias Corvinus vergeblich belagert und auch die Türken konnten sie nicht einnehmen.
Die Brioni Brücke mit Blick nach SteniceIm Mittelalter lebte in der Stadt eine starke jüdische Gemeinde, manchmal waren an die 40 % der Einwohner jüdischen Glaubens. Durch die hohen Steuern, die sie entrichten mussten, trugen sie wesentlich zur Entwicklung der Stadt bei und ermöglichten dadurch auch Bauten wie die Stadtmauer. Sie bauten aber auch eine für jene Zeit große und mächtige Synagoge, die aufgrund ihrer Charakteristiken im mitteleuropäischen Raum als einzigartig galt.
Doch die Stadt erlebte nicht nur gute Zeiten, auch sie wurde nicht von Bränden oder der Pest verschont. Anfangs waren die Häuser überwiegend aus Holz gebaut – es wurde mit offenem Feuer gekocht – fing eines der Häuser Flammen, raffte das Feuer oft große Teile der Stadt mit sich. Die Statue des Hl. Florians am Grajski trg vor der Burg und die Marien- oder Pestsäule am Glavni trg erinnern heute noch daran. Immerhin raffte die Pest Ende des 17. Jahrhunderts ein Fünftel der Bevölkerung von Maribor dahin.
Kulturhauptstadt Maribor 2012 - Denkmal für Dichter JancerMit dem Ausbau der Südeisenbahn 1846 von Wien nach Triest wurde ein weiterer Impuls für den Ausbau der Stadt gelegt, Neue Brücken wurden gebaut, allerdings wurde damit auch das mittelalterliche Aussehen des alten Stadtteils – des Lent – zerstört.
1859 erreichte Bischof Anton Martin Slomšek die Übertragung des Bistums von Lavant in St. Andrä nach Maribor. Damit waren seine, fast 10 Jahre dauernden Bemühungen, endlich von Erfolg gekrönt worden. Maribor wird Bistum und die Kirche des Hl. Johannes des Täufers zur Domkirche.
1882 wird von Hermann Goethe die Wein- und Obstbauschule Marburg gegründet, die mit ihrer Rebsortenkunde – den sogenannten Ampelographischen Berichten – über die Grenzen der Monarchie Anerkennung erlangte.
Maribor - Denkmal Mrcic1896 besitzt Marburg drei Brücken, eine Kathedrale, einen Stadtpfarrturm, eine gräfliche Burg, ein Kasino mit Theater, einen Stadtpark. Fabriken, Wein- und Holzhandel und ein Kreditinstitut zeigen vom Blühen der Stadt, ebenso wie zwei Bezirksgerichte, Gymnasien und eine Lehrerbildungsanstalt. Marburg hatte ein eigenes Statut – die Stadt unterstand keinem Bezirk des Landes Steiermark und für die Umgebung bestand eine eigene Bezirkshauptmannschaft.
Während des Ersten Weltkrieges entstand hier eine starke Textilindustrie, die sich auch noch Jahre danach behaupten konnte.
Der Mariborer Dom - InnenraumAber auch hier zeigten sich Spannungen zwischen der deutschen – österreichischen - und slawischen Bevölkerung. Waren die Österreicher zum großen Teil in den Städten vertreten und gaben dort den Ton an, siedelten die Slowenen überwiegend am Land, ein gemischtsprachiges Gebiet also um das ein erbitterter Kleinkrieg tobte. Bereits während des Krieges kommt es wegen vermuteter Staatsfeindlichkeit zu Zwangsinternierung vieler Slowenen in Kärnten und der Steiermark, was immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen führte. General Maister, 1874 in Kamnik geboren  wurde an den Militärschulen der Österreich-Ungarischen Monarchie ausgebildet. 1918 gelingt es ihm das umkämpfte Gebiet unter die Kontrolle seines slowenischen Heeres, das er in einer schnellen Mobilisierung gegründet hatte, zu bringen und die österreichischen Abteilungen in Maribor zu entwaffnen.  Er ernennt sich zum Stadtkommandanten und setzt die deutschösterreichischen Stadtpolitiker ab. Damit wird die spätere Regelung im Vertrag von Saint-Germain bereits Dom zu Maribor - Innenraumvorweggenommen. Mit diesem entschiedenen Auftreten sorgt er dafür, dass Maribor slowenisch bleibt. Maister erhält große Anerkennung für seine Verdienste in der Verteidigung der Nordgrenze, aber auch als Kulturschaffender. Allerdings wollten sich vorerst nicht alle deutschsprachigen Bürger damit zufrieden geben. So kommt es am 27. Jänner 1919 zum Marburger Blutsonntag. Deutschösterreicher veranstalten eine Demonstration am Hauptplatz um vor der erwarteten US-Friedensdelegation ihren Willen zu dokumentieren, bei Österreich zu bleiben. Maister hatte slowenische Wachposten vor dem Rathaus platziert. Als das Gedränge am Platz immer ärger wurde, und ein slowenischer Soldat niedergeschlagen wurde, fielen Schüsse. Panik brach aus – sowohl bei den Demonstranten als auch bei den Soldaten, die eine Salve nach der anderen in die waffenlose Volksmenge feuerte. 13 Marburger starben, mehr als 60 wurden verletzt, die US-Kommission bekam keine Demo mehr zu sehen, der Platz wurde schnell gesäubert und die Ordnung wieder hergestellt, Maribor dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zugeordnet.
Der Dom von MariborAuch der Zweite Weltkrieg brachte viel Leid über die Bevölkerung: viele Slowenen wurden nach Serbien oder zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt, nachdem das Gebiet am 6. April 1941 als CdZ( Chef der Zivilverwaltung)-Gebiet Untersteiermark vom Großdeutschen Reich annektiert wurde. Adolf Hitler forderte bei seinem Besuch in der Stadt seine Anhänger auf „dieses Land wieder deutsch“ zu machen. Wer in den Verdacht geriet, die jugoslawischen Partisanen zu fördern wurde hingerichtet, die Todesurteile wurden zur Abschreckung in der Stadt plakatiert. Die slowenische Bevölkerung lebte in Angst und Schrecken.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt von den Alliierten mehrere Male bombardiert. Ab dem Sommer 1945 wurden deutschsprachige Marburger nach Österreich vertrieben und ihr Eigentum konfisziert.
Die Drau bei NachtMaribor entwickelte sich ab 1945 zu einer blühenden Stadt die das industrielle, aber auch kulturelle Zentrum für den gesamten Norden Sloweniens und Jugoslawiens bildete. Weitere Industriebetriebe siedelten sich hier an und es entstand auch die erste Arbeitersiedlung auf dem Gebiet Jugoslawiens.
1975 wurde die Universität gegründet.
Ausflugsschiff auf der Drau1991 – mit der Unabhängigkeit von Jugoslawien – verloren aber viele Betriebe den innerjugoslawischen Binnenmarkt. Die Auswirkungen auf die Stadt waren erheblich: die Arbeitslosenquote stieg und innerhalb von 5 Jahren verlor die Stadt jährlich an die 3% ihrer Einwohner. Erst der Beitritt Sloweniens zur EU, die Einführung des Euro und der Fall aller Grenzkontrollen zu Österreich, Ungarn und Italien lassen neuen Optimismus aufkommen, der durch die Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas 2012 noch unterstützt werden soll. So ist auch hier das Motto: „This is the turning point“ – und das soll er auch sein. In der wirtschaftlichen Entwicklung, in der kulturellen Erweiterung und in der Beziehung zu allen Nachbarn!