Neusiedler See Nationalpark

Fertő-Hansag

Neusiedler See

Neusiedler See

Als Meer der Wiener wird der Neusiedler See bezeichnet und wie ein Meer sieht es auch aus, wenn man – von der Autobahn (Abfahrt Neusiedl am See) kommend – Richtung Neusiedl die Straße hinunter zum See nimmt. Am Neusiedler See tummeln sich aber nicht nur erholungssüchtige Touristen und Wiener, der Nationalpark ist einer der einzigartigsten in ganz Europa. Er bietet vielen Vogelarten ungestörte Brutplätze und für die Zugvögel die Möglichkeit einen letzten Stopp auf ihrem langen Weg einzulegen. Einzigartig sind die Flora des westlichsten europäischen Steppensees und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den ungarischen Nachbarn bei der Erhaltung, Bewahrung und Bewirtschaftung dieses wunderbaren Stücks Erde. Europa wie es sein sollte!

Da es sich lohnt nicht nur die österreichische oder die ungarische Seite des Sees und des Nationalparks kennen zu lernen, stellen wir Ihnen die beiden Seiten der Medaille gemeinsam vor – damit wird derselbe Text in den Menüs Österreich und Ungarn aufgelistet.

Die Entwicklungsgeschichte des Sees

Neusiedler SeeAusläufer des Weltmeeres bedeckten vor rund 16 Millionen Jahren das Wiener Becken und die Kleine Ungarische Tiefebene, vor ca. 13 Millionen Jahren zog sich das Meer nach Osten zurück und es bildete sich ein Binnengewässer, in das durch einmündende Flüsse gewaltige Sedimentmengen eingelagert wurden. Erst als dieses Binnenmeer sich ebenfalls nach Osten verlagerte, kam die erste Vegetation im Seewinkel auf. Der Neusiedler See entstand jedoch erst viel später, etwa zwischen 16.000 und 12.000 v. Chr. Während dieser Zeit (Spät- und Nacheiszeit) senkt sich der Boden und in mehreren Phasen entstehen Wannen und Becken, zuerst im Bereich des Hanság (Waasen). Zuflüsse und Niederschläge bilden hier einen See, der allerdings immer wieder austrocknet, da er überwiegend mit Regenwasser gespeist wird. Das Einzigartige am Neusiedler See und seiner Umgebung ist, dass er von verschiedenen Landschaftsräumen geprägt wird: hier findet sich alpiner, pannonischer, asiatischer, mediterraner und nordischer Einfluss wieder und schafft damit einen für Europa einzigartigen Naturraum.

Neusiedler SeeFeucht- und Trockenperioden wechseln etliche Male und bestimmen das Bild der Natur. Während 4000 v.Chr. das Grundwasser ansteigt und damit den Seewinkel und den Hanság unter Wasser setzt, schreiben sich die Jahre 500 v.Chr. bis 200 n.Chr. als Trockenperiode ins Geschichtsbuch. Ab 1616 bestehen immer wieder Pläne zur Trockenlegung des Sees, 1740 bis 1742 trocknet er komplett aus und seine Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, doch ab 1768 steigt der Wasserspiegel wieder an. 1777 bis 1780 wird ein Damm zwischen Esterháza und Pamhagen errichtet, der den Hanság abtrennt, 1786 erreicht die Wasserfläche ihre größte Ausdehnung von 515 km2, um später wieder abzunehmen und schließlich von 1811 bis 1813 wieder völlig auszutrocknen. 1885 beginnt man mit der Planung eines Kanals von Pamhagen zur Rabnitz und zur tiefsten Stelle des Sees, der aber 1893 auf Grund von Geldmangel nicht gebaut wird. 1895 ist es dann soweit: es beginnen die Bauarbeiten zum sog. Einserkanal, die 1909 abgeschlossen werden. Bei Öffnung der Schleusen kann man nun die Hanság-Wiesen überfluten, der Einserkanal wird Neusiedler See„Regulierungsbau“. 1924 erreicht die Seefläche nur mehr 200km2. Bereits 1866 erschienen die ersten Forschungsarbeiten über den See. Die Universität Wien unterhält hier ein beliebtes Freilandlabor, wobei die erste Biologische Station erst 1954 eingerichtet wird. Vor und während des Zweiten Weltkrieges weisen bereits viele anerkannte Wissenschaftler auf die Bedeutung des Sees und seiner Fauna und Flora hin. Die ersten Pachtverträge durch den ÖNB erfolgen Mitte der 1930er Jahre. 1926 werden erstmals per Gesetz Naturschutzgebiete (Banngebiete) festgelegt.  1932 werden weitreichende Nutzungsbeschränkungen für die Zitzmannsdorfer Wiesen und die Lackenbereiche in Illmitz verordnet, Apetlon folgt 1936. 1959 wird ein Betretungsverbot für die Schilfflächen zwischen 1. April und 31. Juli erlassen – 1992 kommt es zum Gesetz zur Errichtung des Nationalparks. Davor wurden bereits Verhandlungen mit dem ungarischen Nachbarn geführt – 1988 bekundeten die Regierungen von Ungarn und Österreich den Wunsch nach einem grenzüberschreitenden Nationalpark.

Fünf verschiedene Landschaften bestimmen die Einzigartigkeit

  • Der Neusiedler See liegt an der tiefsten Stelle der Kleinen Ungarischen Tiefebene in einer abflusslosen Wanne, die heute etwa 320 km2 groß ist.
  • Im Westen begrenzt das Leithagebirge mit seiner 450 Meter Höhe auf einer Länge von etwa 30 km das Gebiet.
  • Etwa 40 Meter über dem Seebecken liegt im Norden die 200 km2 große Schotterflur der Parndorfer Platte.
  • Größtenteils auf ungarischem Staatsgebiet dehnt sich im Südosten der Hanság auf etwa 460 km2 aus.
  • Zwischen Parndorfer Platte und Einserkanal erstreckt sich im Osten die Tiefebene des Seewinkels auf ca. 450 km2.

Neusiedler SeeDiese unterschiedlichen Landschaften sind auch für die große Vielfalt der Fauna und Flora verantwortlich. Im Nationalpark steht ein Mosaik an verschiedenartigen Lebensräumen zur Verfügung, wie etwa der Schilfgürtel bzw. die großen Schilfinseln mit eingelagerten Blänken (das sind Wasserflächen im Schilf), das Verlandungsgebiet des Sees mit wechselfeuchten Wiesen und Salzstandorten, der mehr als 20 Kilometer lange, sandige Seedamm am Ostufer zwischen Weiden und der Staatsgrenze, die Wiesengebiete der Seerandzone, die Reste großer Weideflächen (Hutweiden – Puszta) und die oft austrocknenden Lacken mit ihrem unterschiedlichen Salzgehalt.

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