Skip to main content

Wer in der Musikstadt Leipzig der „Notenspur“ folgt, kommt unweigerlich bei einem weiteren Großen der Musik vorbei: bei Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Mendelssohn Bartholdy wurde zwar nicht in Leipzig geboren, aber er verbrachte an die zwölf Jahre in der Stadt und setzte der Musikszene in Leipzig wesentliche Impulse, die zum Ruf der Musikstadt Leipzig beitrugen. Mendelssohn revolutionierte nicht nur das Gewandhausorchester, dem er als Dirigent vorstand, sondern war auch Mitbegründer des ersten Konservatoriums auf deutschen Boden. 

Im Mendelssohn-Bartholdy Haus
Im Mendelssohn-Bartholdy Haus

Felix Mendelssohn war einer der herausragendsten und universell gebildetsten und vielseitig wirkenden Musiker des 19. Jahrhunderts. Er glänzte nicht nur als Dirigent und Komponist, sondern reiste auch als gefragter Pianist durch ganz Europa. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Heinrich Heine, Carl Maria von Weber, Louis Spohr, Niccolò Paganini, aber auch Johann Wolfgang von Goethe gehörten zu seinen Bekannten, ja manche sogar zu seinen Freunden. Mendelssohn Bartholdy war aber nicht nur ein hervorragender Musiker, auch seine Zeichnungen und Aquarelle sind bemerkenswert, auch seine Gedichte und Briefe von seinen Reisen zeigen eine große sprachliche Begabung.

Das Mendelssohn Bartholdy Haus

Im Mendelssohn Bartholdy Haus in Leipzig, in dem er die letzten beiden Jahre seines Lebens verbrachte und auch starb, kann man sich auf die Spuren des Meisters begeben. Auf drei Etagen kann man nun in sein Leben eintauchen, seine Schwester Fanny Hensel kennenlernen und einiges über Kurt Masur und dessen Engagement für Mendelssohn Bartholdy erfahren.

Hier kann man mehr über Kurt Masur erfahren
Hier kann man mehr über Kurt Masur erfahren

Wer die Möglichkeit hat, an einer Führung teilzunehmen, sollte das unbedingt machen. Ich habe selten eine so gute, spannende und lebendige Tour durch ein Museum mitgemacht wie hier im Mendelssohn Bartholdy Haus. Schade, dass wir nicht länger Zeit gehabt haben, ich hätte der Dame noch viel länger zu hören können:

Im Erdgeschoss ist ein kleiner Shop und das Effektorium untergebracht, im ersten Stock – der Beletage hat Felix Mendelssohn Bartholdy mit seiner Familie und zwei Dienstboten auf 200m2 gelebt und diese Wohnung kann man auch heute besichtigen und dabei vieles über ihn und sein Wirken in Leipzig erfahren. Im 2. Stock widmet sich das Museum, seiner Schwester Fanny und Kurt Masur.

Am Besten wir beginnen gleich hier unseren Rundgang

Fanny Hensel

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von der älteren Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy noch nie etwas gehört habe. Fanny war anscheinend ein ebenso großes künstlerisches Talent wie ihr Bruder Felix: eine ausgezeichnete Pianistin und Komponistin.

Die begabte Schwester: Fanny Hensel
Die begabte Schwester: Fanny Hensel

Obwohl ihre Familie ihre Begabung förderte und sie eine ähnlich gute Ausbildung wie ihr Bruder erhielt, machte ihr Vater ihr schnell klar, dass sie dieses Können nicht als Beruf einsetzen durfte. Es wäre zu jener Zeit nicht schicklich gewesen. Fanny heiratete den Maler Wilhelm Hensel und verstand es ihre Kunst mit ihrer Stellung zu verbinden.

In ihrem Haus in Berlin lud sie um die 200 Personen zu ihren Sonntagskonzerten ein, bei denen sie teilweise selber als Pianistin auftrat und auch eigene Stücke zum Besten gab, aber auch immer wieder bekannte Künstler wie aufstrebende Talente einlud. Auch mit ihrem Bruder trat sie des Öfteren auf. Dies war die einzige Möglichkeit für sie zur damaligen Zeit als Künstlerin aufzutreten.

Allein während ihrer Italienreise, die sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn unternahm und der ein eigener Raum in der Ausstellung gewidmet ist, wurde sie auch als Künstlerin wahrgenommen. Diese Reise fand auch in ihren Kompositionen ihren Niederschlag.
Lassen wir unsere Führerin ein bisschen darüber erzählen:

Fanny starb, ebenso wie ihr Bruder Felix, in jungen Jahren mit 42 Jahren. Erst kurze Zeit vor ihrem Tod, nachdem ihr Vater gestorben war, hatte sie gewagt, erste Kompositionen drucken zu lassen und zu veröffentlichen. Ihr Bruder verhinderte diesen Schritt zwar nicht, aber zeigte sich auch nicht besonders darüber begeistert. Erst später verstand der Bruder, wie sehr dieses gesellschaftliche Korsett seiner Schwester zugesetzt haben dürfte: in dem halben Jahr, das er se überlebte, gab er noch Werke in den Druck, die sie zur Publikation vorgesehen hatte.

Die verschiedenen Familienbanden
Die verschiedenen Familienbanden

Fanny hat nie in Leipzig gelebt, ihr Lebensmittelpunkt war immer Berlin. Daher ist die Ausstellung auch komplett anders gestaltet. Als Leitfaden durch die Ausstellung gilt ihre Komposition „Das Jahr“. Dieses Werk schenkte sie ihrem Mann zum Geburtstag und obwohl jedem Monat ein Stück gewidmet ist, stehen weniger die Monatscharakteristika im Mittelpunkt, sondern gemeinsame Erlebnisse mit ihrem Mann im Mittelpunkt.

Das "Jahr", komponiert von Fanny Hensel
Das "Jahr", komponiert von Fanny Hensel

Dieser illustrierte die zwölf Monatskompositionen mit Vignetten, die ebenfalls zu sehen sind. Eigene Klangwolken bringen Ausschnitte aus dem Werk dem Besucher nahe und Schubladen eröffnen verschiedene Abschnitte ihres Lebens, beschäftigen sich mit der Beziehung zu ihrem Bruder (die beiden standen einander sehr nahe), mit ihren Reisen.

Hier erfahren wir mehr über die Zeit von Fanny Hensel in Italien
Hier erfahren wir mehr über die Zeit von Fanny Hensel in Italien

Da wir wenig Zeit bei unserem Besuch haben, huschen wir bei der Ausstellung über Kurt Masur nur schnell vorbei. Schließich muss man sich ja auch etwas für den nächsten Besuch aufheben.

Felix Mendelssohn Bartholdy und Leipzig

Felix Mendelssohn Bartholdy wurde in Hamburg in eine bürgerliche jüdische Familie hineingeboren. Sein Großvater, Moses Mendelssohn, war als Philosoph bekannt, sein Vater trat nach einer Banklehre in die Bank seines älteren Bruders ein. Die Kinder wurden christlich erzogen und auch getauft. Wie es zum Doppelnamen kam, haben wir bei der Führung erfahren:

Die Eltern erkannten früh das musikalische Talent ihres Sohnes, aber auch seiner Schwester Fanny und ermöglichten beiden eine entsprechende Ausbildung. Während es jedoch für den Sohn fast selbstverständlich war, sein Talent auch zu seinem Beruf zu machen, verbot der Vater der Schwester diesen Lebensweg.

Blick in die Wohnung von Felix Mendelssohn-Bartholdy
Blick in die Wohnung von Felix Mendelssohn-Bartholdy

Felix Mendelssohn trat bereits als Neunjähriger erstmals öffentlich auf und wurde als Komponist, Pianist und Organist bekannt. Er traf unter anderen Goethe, Carl Maria von Webern, Gioachino Rossini und Giacomo Meyerbeer, reiste nach Paris, studierte in Berlin, unternahm Konzertreisen.

Blick ins Arbeitszimmer von Felix Mendelssohn-Bartholdy
Blick ins Arbeitszimmer Felix Mendelssohn-Bartholdy

1835 kam er, erst 26jährig, nach Leipzig um die Stellung des Gewandhauskapellmeisters anzunehmen, die er zwölf Jahre – bis zu seinem Tod – innehatte. In dieser Position revolutionierte er die Konzertpraxis. Bis zu seinem Antreten war es üblich dass der Konzertmeister die Leitung der Instrumentalmusik innehatte und der Kapellmeister für die Vokalmusik zuständig war. Um das musikalische Niveau zu heben bestand er darauf beides in einer Person zu vereinigen, außerdem verstand er seine Aufgabe als Dirigent als Interpret des jeweiligen Komponisten, der seine Sicht des Werkes auf das Orchester übertragen sollte.

Blick in die Wohnung
Blick in die Wohnung

Auch das Programm änderte sich unter seiner Führung: so versuchte er mit einem Zyklus sogenannter Historischer Konzerte das Interesse der Zuhörer für musikhistorische Zusammenhänge zu wecken ohne jedoch die Werke seiner Zeitgenossen zu vernachlässigen. Kompositionen von Robert Schumann, Franz Liszt wurden ebenso gespielt wie Hector Berlioz, ebenso verpflichtete er namhafte Künstler nach Leipzig.

Blick ins Arbeitszimmer
Blick ins Arbeitszimmer

750 Werke schuf Felix Mendelssohn Bartholdy in seinem kurzen Leben: er starb bereits mit nur 38 Jahren. Während er zu seiner Lebzeit als Komponist, Dirigent und Pianist angesehen und erfolgreich war, wurde er im nachrevolutionären Deutschland schnell vergessen und unter dem Nationalsozialismus wurde seine Musik sogar verboten. Dazu hatte auch eine Schrift von Richard Wagner beigetragen, die 1850 unter einem Pseudonym veröffentlicht wurde und in der er jüdischen Künstlern, und dabei vor allem dem getauften Felix Mendelssohn Bartholdy, die Fähigkeit absprach wahrhaft zu Herzen gehende Musik komponieren zu können. Diese Haltung hielt sich bis weit ins 20.Jahrhundert hinein und es dauerte einige Zeit bis seine Musik wieder an die großen Bühnen zurückkehren konnte.

In der Ausstellung
In der Ausstellung

Die ehemalige Wohnung von Felix Mendelssohn Bartholdy in der ersten Etage ist nunmehr das Kernstück des Mendelssohn Hauses in Leipzig, hier lebte und wirkte er bis zu seinem Tod in Leiprzig und es ist die einzige Wohnung des Künstlers, die erhalten blieb und originalgetreu rekonstruiert wurde. Ab dem Spätsommer 1845 wohnte er hier in der Belétage und empfing hier auch prominente Besucher wie das Ehepaar Schumann, Louis Spor, Hans Christian Andersen, Raymund Härtel, aber auch Richard Wagner. 

Im Mendelssohn-Bartholdy Haus in Leipzig
Im Mendelssohn-Bartholdy Haus in Leipzig

Der Besucher sieht das Arbeitszimmer des Komponisten, in dem unter anderem das Oratorium Elias entstand, den Musiksalon (wo auch heute wieder jeden Sonntag Konzerte stattfinden), das Mobiliar, das aus Familienbesitz stammt, Brief- und Notenmaterial und Aquarelle von Felix Mendessohn Bartholdy und es gibt jede Menge Informationen zu seinem Leben und Wirken.

Das Effektorium

Das ist aber noch lange nicht alles. Ein besonderes Highlight ist das Effektorium im Erdgeschoss des Mendelssohn Bartholdy-Hauses. Hier kann man sich in fast mystischer Atmosphäre die Interpretationen von fünf Meisterdirigenten von Felix Mendelssohn Bartholdys Schottischer Sinfonie anhören und – man kann am Pult auch selbst den Taktstock schwingen. 13 Stelen werden je nach ausgewähltem Stück in Instrumentengruppen oder Stimmregister verwandelt. Dabei ist es möglich verschiedene Tempi auszuprobieren, das Lieblingsinstrument allein spielen zu lassen, von modernem zu einem historischen Orchesterklang zu wechseln oder die Akustik verschiedener Räumlichkeiten auszuprobieren und den Raum in unterschiedliche Farben zu tauchen. 

Im Effektorium
Im Effektorium

Allein dieser Raum ist schon einen Besuch des Mendelssohn Bartholdy-Hauses wert. Ich habe selten so klar die unterschiedlichen Interpretationen eines Musikstückes herausgehört wie hier. Es ist wirklich ein Fest für die Sinne.

Als Dirigentin im Effektorium
Als Dirigentin im Effektorium

Das Mendelssohn Bartholdy-Haus ist täglich von 10.00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Jeden Samstag um 10:00 Uhr kann man sich zu einem Mendelssohn-Rundgang durch das Museum und die Leipziger Innenstadt auf den Spuren des Komponisten anschließen, der ca. 2 Stunden dauert.

In der Ausstellung
In der Ausstellung

Der Rundgang ist kostenpflichtig und man muss sich per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder telefonisch unter +49 341 962 8820 anmelden.

Blick ins Café und den Shop
Blick ins Café und den Shop

Jeden Sonntag wird die Mendelssohnsche Tradition der Sonntagskonzerte hochgehalten und man lädt um 11:00 Uhr zu den Sonntagskonzerten. Auf der Website finden sich auch noch viele andere Events, zu denen man dann gleich online die Tickets kaufen kann.

Die Totenmaske von Felix Mendelssohn-Bartholdy
Die Totenmaske von Felix Mendelssohn-Bartholdy

Das Museum bietet auch individuelle Führungen und Konzerte an. Mehr darüber findet ihr auf der Website des Mendelssohn Bartholdy-Hauses: https://www.mendelssohn-stiftung.de/de/

Der Shop im Mendelssohn-Bartholdy Haus in Leipzig
Der Shop im Mendelssohn-Bartholdy Haus in Leipzig

Mendelssohn-Haus Leipzig
04103 Leipzig, Goldschmidtstraße 12
Tel: +49 341 962882-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
https://www.mendelssohn-stiftung.de/de/ 

Der Besuch erfolgte im Rahmen einer Pressereise auf Einladung der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

Hier findet ihr weitere Informationen über Leipzig:

Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse:

Leipzig

Zur Vorweihnachtszeit nach Leipzig

Tübke Monumental im Kunstkraftwerk Leipzig

Die Leipziger Spinnerei

Zu Besuch bei Johann Sebastian Bach in Leipzig

Gohliser Schlösschen

Essen, Trinken, Übernachten:

Leipzig – Seaside Park Hotel

Leipzig - Restaurant Auerbachs Keller

Leipzig – Restaurant Panorama Tower „Plate of Art”

Leipzig – Kaiserbad

Leipzig - Gasthaus Barthels Hof

Spezialitäten:

Leipziger Lerche

Die Gose

 

 

 


AutorIn des Artikels:

Ein Tag in Hévíz ….