Sabine Kuegler: Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind
Es ist eine außergewöhnliche Erzählung, die ich zum Teil atemlos verschlungen habe.
Sabine Kruegler ist vielleicht einigen als „Dschungelkind“ bekannt. Als Jugendliche kehrte sie aus dem Dschungel in die westliche Welt zurück, heiratete und bekam zwei Kinder. Doch so richtig wohl fühlte sie sich in dieser Welt eigentlich nie, groß war ihre Sehnsucht immer nach ihrer alten Heimat. Als sie dann schwer erkrankt und von westlicher Medizin eigentlich schon aufgegeben ist, macht sie sich auf den Weg in ihre alte Heimat um Heilung zu finden. Diesen Weg, der lange dauert und nicht nur ihre Krankheit endlich besiegen kann, sondern auch ihre Seele, schildert sie in diesem Buch.
Gleichzeitig bekommen wir Leser einen Blick in eine andere Welt, andere Kulturen, andere Denkweisen. Man kann fast körperlich mitfühlen wie schwierig es für die Autorin sein muss und sein musste, sich in „unserer“ neuen Welt zurecht zu finden. Eine fast unlösbare Aufgabe, vor allem wenn ich daran denke, dass wir, die wir in dieser Umgebung aufgewachsen sind, auch oft zwischen verschiedenen Gruppen stehen und nicht genau wissen, zu welcher wir wirklich dazugehören: Sind wir nun Rechts oder Links, konservativ oder progressiv? Impfbefürworter oder -Gegner? Weltoffen oder eher nationalistisch?
Wie schwierig muss es erst für jemanden sein, der ganz anders aufgewachsen ist, mit ganz anderen Wertvorstellungen? Der gelernt hat, dass das Leben in der Gemeinschaft wichtig ist, dass man die Rolle in dieser Gemeinschaft annehmen muss, um das Überleben aller und sein eigenes zu sichern und der plötzlich in einer Welt von lauter Individualisten aufwacht.
Wie es Sabine Kuegler geschafft hat, welche Lehren sie aus ihren Leben in beiden Welten gezogen hat, kann auch für uns Leser interessante Denkanstöße geben – gleichzeitig dürfen wir mit ihr in nahezu unbekannte Orte und Kulturen eintauchen.
Leseempfehlung.