Das Slavia ist eines der großen Prager Kaffeehäuser mit langer Tradition und wechselvoller Geschichte.
Gegenüber dem Nationaltheater an der Moldau gelegen bietet es einen wundervollen Blick auch auf die Burg und den Fluss.

Das Palais, in dessen Erdgeschoss das Café untergebracht ist, - am Ende der früheren Ferdinand Strasse (heute Smetanovo nábřeži 2) - gab Graf Leopold Lažanský in Auftrag. Er beauftragte Ignác Vojtěch Ullmann mit dem Bau, der ein repräsentatives Gebäude schuf, dessen Bedeutung noch einmal zunahm, als 1868 der Bau des Nationaltheaters am gegenüberliegenden Grundstück beschlossen wurde.

In den Anfängen der 1880er Jahre übernahm Václav Zoufalý das Erdgeschoss und beschloss darin ein luxuriöses Café mit modernen und ansprechenden Design für die gehobene Gesellschaft zu eröffnen, was 1884 dann auch geschah.
Die Einrichtung zeigte bereits damals deutliche Jugendstilelemente.

Die Zeit war die Blüte der Kaffeehauskultur in Prag und um die Kunden musste schwer gekämpft werden. Immerhin lagen nicht weit entfernt die Cafés des Gemeindehaus und der Kettenbrücke, um die Jahrhundertwende kam noch das Café Orient im ersten Stock des Hauses der Schwarzen Madonna dazu.

Doch die Nähe zum Nationaltheater hatte auch Vorteile: so wurde das Slavia oft von den Schauspielern, aber auch von Sängern und Komponisten des nahen Theaters besucht.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, das Café war schon ein bisschen heruntergekommen, beschlossen die neuen Besitzer die Renovierung. Damals erhielt es sein heutiges Aussehen: Marmor und Holz an den Wänden, viele Spiegel, runde Tische. Aus dem alten morbiden Café war ein modernes Kaffeehaus geworden.

Doch bald darauf erfolgte wieder ein Tiefschlag in seiner Entwicklung. Der zweite Weltkrieg brach aus, die Gäste blieben aus und auch nach der kommunistischen Machtübernahme waren die „bourgeoisen“ Cafés nicht gerade gerne gesehen. Der arbeitende Mensch hatte weder Zeit noch Geld sich hier herumzutreiben. Das Café wurde einfach verstaatlicht und unsensibel rekonstruiert.
Trotz der vielen Tiefschläge hielten ihm die Künstler und Intellektuellen von Prag immer die Treue. Hier konnte man Maler und Dichter wie Jiří Kolář mit seinen Freunden treffen, Karel und Josef Čapek, aber auch Arnošt Lustig, Karel Teige, Václav Černý, Vítězslav Nezval oder Jaroslav Seifert. Viele Künstler kamen auch nach den Vorstellungen im Theater ins Slavia, wie auch Bedřich Smetana oder der Regisseur Jaroslav Kvapil.

Auch Václav Havel traf sich hier mit anderen tschechischen Dissidenten. Als das Slavia wieder einmal nach der Revolution für die Öffentlichkeit geschlossen wurde, setzte er sich sogar für seine baldige Wiedereröffnung ein. Das Slavia ist auch heute noch eines der kulturellen Zentren der Stadt, ein Ort der Begegnung, mit Prag, mit Intellektuellen, Studenten und älteren Menschen.
Sogar Hillary Clinton wurde nach der Samtenen Revolution im Café Slavia begrüßt.
Lasst euch bei eurem Besuch im Slavia Zeit und betrachtet die vielen Bilder an den Wänden: sicher erkennt auch ihr den einen oder anderen berühmten Gast.
Das Café Slavia hat aber nicht nur ein große Geschichte, sondern auch eine ausgezeichnete Küche. Ich habe hier eine hervorragende Rindssuppe mit Celestine-Nudeln, Gemüse und Fleischknödeln gegessen.

Als Hauptspeise hatte ich eines der berühmten tschechischen Nationalgerichte –Svíčkova (Lendenbraten) mit Sahnesauce, Preiselbeeren und Serviettenknödel gewählt, aber auch das Altböhmische Rindsgulasch mit Zwiebeln, Kren, scharfen Paprika und der Variation der tschechischen Knödel muss seine Erwähnung finden. (übrigens: Rezepte für Svíčkova, Gulasch und Knödel und einiges mehr findet ihr ebenfalls hier auf askEnrico)

Zum Abschluss gab es noch Palatschinken mit Sauerrahm, heißen Brombeeren, Schlagobers und Honig – eine Kalorienbombe ohne gleichen. Hier sollte man vielleicht die Beeren erst dann wählen, wenn sie Saison haben – das habe ich einfach zu spät bedacht. Lieber eine Torte aus der Vitrine (köstlich!) oder eine andere Palatschinkenvariante probieren.

Zum Trinken wählt man zum Abendeisen gutes tschechisches Bier oder einen der angebotenen hervorragenden Rotweine, je nach Belieben.

Wenn ihr das Slavia am Nachmittag besuchen, gönnt euch eine der vielen Cafévarianten und eben die schon erwähnte Torte aus der Vitrine – und dann einfach nur genießen …

Unbedingt möchte ich aber auch noch den Klavierspieler erwähnen, der jeden Tag von 17:00 bis 23:00 Uhr seine Kunst zum Besten gibt. Unbedingt anhören: ich war hin und weg als plötzlich die ersten Takte der Moldau aus Mein Vaterland anklangen…
Das Café Slavia ist Montag bis Freitag von 8:00 bis 24:00 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag von 9:00 bis 24:00 Uhr.
Der Besuch erfolgte im Rahmen einer Pressereise auf Einladung von Czech Tourism.
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