Vom 19.9.2026 – 28.2.2027 zeigt die Heidi Horten Collection unter ihrer neuen Direktorin Verena Kaspar-Eisert eine große Retrospektive der deutsch-österreichischen Künstlerin.
Es ist die erste Einzelausstellung hier im Haus, bei der zehn Meisterwerke der Collection in einem Dialog mit den Arbeiten von Elisabeth von Samsonow treten.
Elisabeth von Samsonow
Elisabeth von Samsonow wurde 1956 in Bayern geboren, studierte Philosophie, Neuere deutsche Literatur und Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und besuchte die Bildhauerklasse von Daniel Spoerri und Eduardo Paolozzi an der Akademie der bildenden Künste in München.

1990 erwirbt sie eine „tausendjährige“ Linde und fertigt aus ihrem Holz in den folgenden Jahren mehrere Dutzende Skulpturen an.
1991 kommt sie nach Wien und beginnt eine Lehrtätigkeit am Institut für Philosophie der Universität Wien.

1996 erhält sie eine ordentliche Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, die sie bis 2024 ausübt. Elisabeth von Samsonow ist Studiendekanin und erste weibliche Senatsvorsitzende an einer österreichischen Universität.
1998 kommt ihre Tochter Gaia zur Welt.

1999 richtet sie sich in einem alten Weinbauernhaus in Hadres ein Atelier ein; der Ort und die ihn umgebende Landschaft werden wichtige Bezugspunkte für ihre weitere künstlerische Arbeit.

Eine intensive Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenden Künste erfolgt, sie kuratiert den österreichischen Pavillon bei der New Delhi Triennale.

2007 erscheint mit Anti-Elektra, Totemismus und Schizogamie ein Schlüsselwerk ihres philosophischen Denkens. Zunehmend werden ihre Skulpturen in ihre Performances mit einbezogen.

Samsonow beschäftigt sich mit Schiele, Elektra und Nietzsche. Ihr Selbstporträt als Schiele ist auch in der Ausstellung zu sehen.
2016 gibt es die Personale „Elisabeth von Samsonow, Transplants“ in der Dominikanerkirche in Krems. In ihren Transplants vereint Samsonow menschliche und pflanzliche Formen und setzt sich mit nichtmenschlichen Formen von Intelligenz auseinander.

2020 erwirbt Samsonow mit weiteren Kulturschaffenden rund vier Hektar landwirtschaftliche Fläche im Pulkautal in Niederösterreich. Das Gelände wird Göttinenland genannt und Ort künstlerischer und ökologischer Forschung sowie kollektiver Aktivitäten gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung.

Und auch dieses Göttinnenland wird in der Ausstellung in der Heidi Horten Collection thematisiert.
Die Ausstellung
Ich kannte keine Arbeiten von Elisabeth Samsonow und war daher sehr gespannt. Während im Erdgeschoss weiterhin einige Prunkstücke der Sammlung ausgestellt sind, ist die neue Sonderschau im ersten und zweiten Stock des Museums untergebracht.

Und hier gleich mein erster Tipp: Unbedingt die Bilder in den Stiegenaufgängen beachten! Hier zeigen sich die ersten „Verschmelzungen“ von Menschen, Tieren und Pflanzen, bunt, groß und irgendwie lebensbejahend ….

Oder die Serie Ektoplasma, die 16 Personen aus unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters zeigt, in einem Momentum, wenn der Gedanken, das Gedachte, zur Sprache, zum Wort wird.

In diesem Moment kommt etwas Inneres, Tiefes heraus und wird durch Stimme und Körper materialisiert. Dieser Vorgang ist für Elisabeth von Samsonow sehr wichtig und sie findet einen ähnlichen Vorgang auch bei den Bäumen – die Fotosynthese – und unterstreicht damit auch wie wichtig eben auch unsere Umgebung für uns Menschen ist, einfach überlebenswichtig.

Dann kommt man in den ersten großen Raum der Ausstellung und tritt in eine Phantasiewelt ein. Wie in einem Wald stehen bunte Figuren im Raum, manchmal mit gespannten Saiten bespannt (ja, man kann sie bei Performances bespielen), aber immer eine Verschmelzung von Menschen mit Pflanzen oder Tieren.

Auch durch die Aufteilung der Skulpturen hat man das Gefühl einen Märchenwald zu betreten: Mythologische Frauengestalten treffen auf wiederkehrende Motive wie Mädchen, Pferd, Zöpfe, Ähren und Brezel. Phantastische Wesen, die einladen darüber nachzudenken, wie wir eigentlich alle miteinander, mit unserer Umwelt, den Tieren und auch den Pflanzen verwoben sind und auch nicht ohne den „Anderen“ existieren könnten. Ich bin von diesen Eindrücken fast erschlagen und vergesse fast mir die Biografie der Künstlerin und ihre Anfänge – die Zeichnungen – in einem kleinen Raum neben der Stiege – anzusehen. Sollte man aber unbedingt.

Schon in ihren ersten Zeichnungen finden sich einzelne Gestaltungsmerkmale, die immer wieder kehren, wie z.B. eine Muschel. Hier findet ihr auch ihr Selbstbildnis als Schiele, das einem Schiele aus der Sammlung gegenübergestellt wird.

Überhaupt gibt es zehn Werke aus der Sammlung der Heid Horten Collection, die mit ihren Werken in einen Dialog treten: von Francis Bacon, Georg Baselitz, Alexander Calder, Francesco Clemente, Erich Heckel, Damien Hirst, Alexej von Jawlensky, Egon Schiele und Ferdinand Waldmüller.

Einen Stock höher besuchen wir das „Göttinnenland“ ein. Doch auch hier sind es zuerst die Skulpturen aus Lindenholz, die Geo-Orakel genannt werden, die dieses Mal über Trichter auch Licht verströmen, die mich gleich faszinieren. Es gibt auch eine Skulptur, die das Zwitschern einer Amsel hören lässt, wenn man sich ihr nähert.

Samsonow versteht die Erde als einen Organismus, ein lebendes Ganzes, das Leben produziert und sich nicht nur auf die Oberfläche beschränkt, die wir nutzen können. Sie macht Leben möglich, gebiert Leben und ist selbst ein lebendes Objekt.

Während in einem Zimmer Fotos der Löslandschaft ihres Göttinenlandes mit der Skulptur einer ca. 4500 Jahre alten Frauenfigur gegenüber gestellt werden und im selben Saal Bilder die Weichheit des Lös ausdrucken, sieht man davor nicht nur ein Video, sondern auch die Gegenüberstellung eines Bildes von Ferdinand Waldmüller mit Fotos, die Elisabeth Samsonow zeigen, die im Gewand ihrer Großmutter durch das Göttinenland schreitet.

Ein Stück weiter sind Bilder dieser Landschaft zu sehen, Elisabeth von Samsonow malt fast täglich eines davon und zeichnet auch ihre Spaziergänge in der Landschaft.

Sie erzählt, dass seit kurzem auch Kaiseradler auf ihren Hügeln angesiedelt haben. Damit wird noch eine andere Dimension sichtbar, man erkennt, wie wertvoll der Berg ist und wie hoch seine biodiverse Qualität ist und daher zu Recht in ihren Bildern heroisiert wird. So kann man auch die Gleichung zwischen Landschaftsschönheit, der Ästhetik einer Landschaft, also den künstlerischen Wert von Landschaft und dem Ökologischen herstellen: eine fitte Landschaft ist immer auch schön.

Der Adler ist ein zentrales Thema in den Arbeiten der Künstlerinnen der letzten zehn Jahre, sie bezeichnet sich auch ernsthaft humoristisch als Adlerin, Transadlerin, Transpflanze – also als eine Verschmelzung mit anderen Lebewesen und Objekten.

Zum Abschluss werfe ich noch einen Blick in den Raum der „Schattenfiguren“: Hier sehen wir die Buchfresserin mit Schatten, ein Selbstporträt und den Weltenbau mit Schatten. Schaut euch vor allem die Details der Skulpturen an: Von außen wirken sie groß und fast abweisend, aber bei genauerer Betrachtung sieht man viele interessante kleine Details, die liebevoll und genau ausgeführt sind. Faszinierend.
Fast hätte ich es vergessen: Das offene Atelier
Mitten in der Ausstellung lädt ein runder Tisch ein, sich selbst künstlerisch zu betätigen. Papier und Malwerkzeug steht bereit und einige Stempel, die Elisabeth von Samsonow entworfen hat, kann man für seine Kreativität benutzen. So kann jede Besucherin, jeder Besucher die Ausstellung auch künstlerisch reflektieren, wenn er mag. Die eigenen Kunstwerke können mit nach Hause genommen werden, oder beim Atelier zurückgelassen werden. Diese möchte Elisabeth von Samsonow dann bei einer Ausstellung im Göttinnenland ebenfalls zeigen.

Mich hat diese Ausstellung jedenfalls sehr beeindruckt und ich habe besonders die Skulpturen und auch einige Bilder mit deren klaren, fast lauten Farben bewundert. Auch die Philosophie, die hinter den Werken steckt, das Verbundensein von Mensch, Tier und Natur hat mich sehr beeindruckt.

Durch diese Faszination sind die Dialoge mit der Sammlung für mich ein wenig in den Hintergrund gerückt. Aber vielleicht besuche ich die Ausstellung noch einmal und widme mich dann diesem Schwerpunkt. Obwohl ich jetzt schon befürchte, dass ich mich der Faszination der Transwesen nicht werde entziehen können. Auch dabei ist sicher noch viel zu entdecken.

Die Heidi Horten Collection ist täglich – außer Dienstag – von 11:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, am Donnerstag von 11:00 bis 21:00 Uhr.
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen (deutsch/englisch), den man unbedingt zumindest durchblättern sollte und der sehr viel mehr über die Künstlerin und ihre Werke erzählt.

Weitere Informationen über Rahmenprogramm, Führungen und Veranstaltungen findet ihr hier.

Tickets können online hier gekauft werden, mit dem Vienna Pass ist der Eintritt frei.
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