Im Dom Quartier Salzburg findet im Dommuseum vom 24.5.-2.11.2026 eine sehenswerte Ausstellung über das Leben und die Gedankenwelt von Franz von Assisi statt.
Am 3. Oktober vor 800 Jahren starb der Ordensgründer, Heilige und Visionär Franz von Assisi. Das Dom Quartier Salzburg bringt in Erinnerung daran eine Ausstellung über ihn und die franziskanische Lebenskunst.

Während ich durch die Ausstellung schlenderte, wurde mir vor allem eines bewusst: Wie sehr würden wir auch heute noch seine Ideen, seine Lebensweise, seine Ideale brauchen – auch oder gerade, wenn wir nicht an Gott glauben. Denn viele seiner Ansichten sind universal „einsetzbar“, auch ohne jeden religiösen Bezug und aktueller als je zuvor …
Niemals dürfen wir uns danach sehnen,
über anderen zu stehen.
Franz von Assisi
Franz von Assisi
Franziskus wurde 1181 oder 1182 in Assisi als Sohn eines Textilhändlers geboren und eigentlich auf den Namen Johannes getauft. Sein Vater nennt ihn wegen seiner Französischen Handelskontakte allerdings „Francesco“.

Francesco geht in die Schule, um Rechnen, Schreiben und ein wenig Latein zu lernen, schließlich soll er als ältester Sohn das Geschäft seines Vaters übernehmen. In dieser Zeit scheint er ein ziemlich ausschweifendes Leben zu führen: Feste mit Freunden zu feiern ist ihm wichtig.

1202 nimmt er am Krieg gegen Perugia teil, den Assisi verliert, Franziskus wird gefangen genommen und verbringt ein Jahr im Gefängnis. Nach seiner Freilassung verändert er sich immer mehr, arbeitet aber weiter im Handelshaus seines Vaters. Doch die Zweifel an seiner Lebensführung nehmen zu.

1205 beginnt er mit der Pflege von Aussätzigen. In der Kapelle von San Damiano vernimmt er die Aufforderung Christi: „Geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, in Trümmer fällt.“

Da er die Renovierung der Kapelle mit Mitteln aus dem Geschäft seines Vaters finanziert, kommt es zum Streit. 1206 erfolgt der endgültige Bruch mit dem Vater und dem bürgerlichen Leben: Franziskus gibt seinem Vater sein Gewand zurück und verzichtet damit öffentlich auf das väterliche Erbe und jeglichen Besitz.

In den nächsten Jahren beschäftigt er sich mit den Restaurierungen der Kapellen von San Damiano, San Pietro della Spina und Santa Maria degli Angeli (Portiuncula)

1208 hört er in der Portiuncula-Kapelle das Evangelium über die Aussendung der Jünger. Er kleidet sich nun in einer Kutte mit Kapuze und Strickgürtel und widmet sich der Aufgabe als Laienprediger. Erste Gefährten schließen sich ihm an.

1209 holt er in Rom bei Papst Innozenz III. zusammen mit elf Gefährten die Erlaubnis für ihre Lebensweise und Predigttätigkeit ein.
1211 schließt sich Clara aus der Adelsfamilie Favarone der Bewegung an. Bald gesellen sich weitere Frauen dazu, die Damianitinnen oder späteren Klarissen haben in San Damiano ihren Stützpunkt.

Franziskus begibt sich auf weitere Missionsreisen nach Frankreich und Spanien. Allerdings ist seine Gesundheit seit seinem Gefängnisaufenthalt geschwächt – die Reise nach Marokko muss er wegen einer Erkrankung unterlassen. Seine Brüder reisen aber über die Alpen, nach Palästina und auch Marokko.

(Foto © Michael Himml, Wien)
1219 reist Franziskus mit den Kreuzfahrern nach Ägypten und spricht mit Sultan al-Kâmil. Er will nicht nur den Krieg verhindern, sondern den Sultan auch für seinen Glauben begeistern. Doch das Vorhaben scheitert.

(Foto © Dommuseum Salzburg/J. Kral)
In den nächsten Jahren werden die verschiedenen Regeltexte über das Zusammenleben und das Wirken der Brüder verfasst: 1221 die Regula non bullata (vom Papst nicht bestätigt), 1223 die neue Fassung, die von Papst Honorius III. bestätigt wird (Regula bullata).

1223 inszeniert Franziskus die Geburt Christi in der Einsiedelei von Greccio zu Weihnachten.
1224 empfängt Franziskus am Berg La Verna von einem Seraph die Stigmata.

Sein Augenleiden, das er sich anscheinend auf seiner Reise in den Orient zugezogen hat, verschlechtert sich immer mehr, Franziskus droht zunehmen zu erblinden. 1225 dichtet er bei San Damiano den „Lobpreis der Geschöpfe – den Sonnengesang“ , in dem er Gott für seine Schöpfung dankt, die Gestirne, aber auch alle Geschöpfe der Natur, ja sogar den Tod zu Schwestern und Brüdern, erklärt und Achtung gegenüber ihnen einfordert.

1226 verschlechtert sich sein Gesundheitszustand weiter und er bittet ihn in die Protiuncula-Kapelle zu bringen, wo er am Abend des 3. Oktobers stirbt. Obwohl er eigentlich auch in der Kapelle begraben werden wollte, wird sein Leichnam zunächst in San Giorgio in Assisi bestattet und nach der Heiligsprechung am 16. Juli 1228 durch Papst Gregor IX., werden seine Gebeine am 25. Mai 1230 in der neu errichteten Unterkirche San Francesco in Assisi übertragen.
Die Ausstellung
Doch nun zur Ausstellung im Dom-Museum. Allein die Eröffnung war ein wunderbares Ereignis. Im Dom zu Salzburg wurde nicht nur musiziert, sondern auch die Ausstellung vorab vorgestellt. Dann ging es in die vier Ausstellungsräume, die sich mit sechs großen Themenfeldern beschäftigen.

Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser
Und ja, es gibt viel zu lesen, aber es war für mich auch eine große Inspiration, die Ideen und die Werte des Menschen, nicht nur des Heiligen kennenzulernen. Seine Wandlung von einem – fast könnte man sagen: Playboy der damaligen Zeit in einen nachdenklichen Menschen der sein Leben ganz nach dem Evangelium gestalten wollte. Der durch seine Abstammung reich war und der später meinte, dass man erst ohne Besitz richtig frei ist. Der zuerst die Aussätzigen schrecklich fand und doch zu ihnen ging und ihnen half, weil es ihm Gott befahl und der sie dann plötzlich mit anderen Augen sehen konnte.

Stiftsmuseum Klosterneuburg
Der immer wieder Respekt und Würde auch für die und das Fremde, für Andersgläubige, ja sogar für die Feinde einmahnte und die Natur und ihre Geschöpfe wie Schwester und Bruder sehen wollte.

All diese Ideale wurden von seinen Mitbrüdern aufgenommen und trotzdem entwickelte sich die Gemeinschaft unterschiedliche weiter und tut es heute noch. Wer Franziskanern begegnet – und in der Ausstellung kann man auch immer beim Besuch mit einigen diskutieren oder Fragen stellen – lernt weltoffene Menschen kennen, die auch Kunst lieben und keinesfalls verbittert durch das Leben gehen. Schon in der Vergangenheit hat es immer wieder Künstler im Orden gegeben, genauso wie Wissenschaftler, die sich bemühen, die Schöpfung und die Natur um sich herum, ja das Leben zu verstehen.
Raum 1
Der erste Raum der Ausstellung widmet sich der Frage, wie sich die Bewegung von Franz von Assisi entwickelte und der Chronologie seines Lebens.

Franziskus und Klara werden als die gemeinsamen Wurzeln der franziskanischen Bewegung ebenso vorgestellt wie die drei Ordenszweige: Erster Orden (die Franziskaner), Zweiter Orden (Klarissen, die Frauenbewegung) und der Dritte Orden (die Laiengemeinschaften). Außerdem lernt man mehr über die Ordensregeln und deren Grundlage für die franziskanische Lebensform
Raum 2
Im zweiten Raum steht die Art der Vermittlung des Evangeliums im Mittelpunkt – ausgedrückt durch den traditionellen Gruß der Franziskaner: „Pax et Bonum“, den man am besten mit „Friede und alles Gute“ übersetzen könnte. Wobei „Friede“ sich auf die Versöhnung mit Gott den Mitmenschen und der Schöpfung, das Gute das Wohlergehen, Segen und Nächstenliebe umfasst.

(Foto © Rotfilter GmbH, Wien)
Der Gruß geht auf die Spiritualität von Franz von Assisi zurück. Frieden (pax) steht dabei für die Versöhnung mit Gott, den Mitmenschen und der Schöpfung; das Gute (bonum) umfasst Wohlergehen, Segen und tätige Nächstenliebe.

Hier findet ihr auch die verschiedenen Schuhe ausgestellt. Warum? Eigentlich gingen die Franziskaner barfuß als Wanderprediger durch die Welt. Doch nicht nur der Schmutz der städtischen Gassen zur damaligen Zeit, wohl auch das kältere Wetter, je weiter nördlich sie reisten, ließen sie dann doch in „Schuhe“ oder „Sandalen“ schlüpfen.

In diesem Raum wird auch auf die Begegnung von Franziskus mit dem Sultan al-Kâmil eingegangen, auf seine Bemühungen den Frieden zu erhalten und einen Dialog anstelle von Gewalt zu beginnen. Eine wünschenswerte Einstellung, die auch den mächtigen unserer Zeit nicht fremd sein sollte, egal welcher Religion sie anhängen …
Hier zeigt sich auch die Authentizität von Franziskus, seine Nähe zu den Menschen, sein glaubwürdiges Leben des Evangeliums, das ihn wahrscheinlich auch heute noch für viele von uns so interessant macht und das auch nichts an seiner Glaubwürdigkeit eingebüßt hat.

(Foto © Archiv der Franziskanerprovinz Austria)
Der Besucher erfährt hier mehr über sein ambivalentes Verhältnis zum eigenen Körper, seine Askese, seine Krankheiten, seine Versuche an seine körperlichen Grenzen zu gehen und den Empfang der Stigmata als spirituelle Erfahrung, aber auch seine positive Sicht auf den Tod, den er als Transitus, als Übergang zu Gott sah und als Schwester bezeichnete.
Raum 3
In diesem Raum beschäftigt sich die Ausstellung über die Beziehung der Franziskaner zu den Menschen, ihre Netzwerke und ihre Solidarität. Ihr Engagement gegen soziale Ungerechtigkeit, die Hilfe für Arme, Kranke und Ausgegrenzte, aber auch deren Tradition als Bettelorden, sowie die Möglichkeit wie sich Laien im Dritten Orden beteiligen können.

Der dritte Raum widmet sich auch dem Verhältnis von Mensch und Natur und präsentiert den Sonnengesang, in dem Franziskus Bruder Sonne, Schwester Mond und die Geschwisterlichkeit aller Geschöpfe ehrt und dessen Idee heute noch im Umweltbewusstsein und der Nachhaltigkeit lebt.

Beides wieder wichtige „Trends“, die wir stärker in den Mittelpunkt auch unseres Handels setzen sollten. Doch nicht nur der Respekt für die Natur steht im Fokus der Franziskaner, sie forschen, liefern damit auch Beiträge zur Wissenschaft und sehen Kunst, Musik und Kreativität als Ausdruck der Schöpfungsfreude. Gleichzeitig will man aber den Menschen die Verantwortung dafür bewusst machen.
Raum 4
Dieser Raum stellt die Beziehung zu Gott in den Mittelpunkt: Wo und wie kann der Mensch Gott begegnen und er zeigt uns mehrere Möglichkeiten auf: durch das Gebet und die Mystik, durch die Schöpfung, aber auch durch die Einsamkeit, Stille und Kontemplation.

Immer aber ist das Evangelium der Lebenskompass, der in der Suche nach dem Sinn, der Orientierung und der inneren Freiheit den Weg weist.

Es lohnt sich also wirklich, sich einmal auf die Spuren des Franziskus von Assisi zu heften. Egal, ob man gläubig ist oder nicht, egal welcher Religion man angehört. Viele seiner Ideen und Aussagen sind auch heute noch gültig.

In einer Zeit, in der mehr und mehr der Ellbogen zum Einsatz kommt, wieder die Macht des Stärkeren gilt, die eigene Selbstverwirklichung und Optimierung im Mittelpunkt des Denkens steht, Konsum und pekuniäres Gewinnstreben und Macht über Menschen, Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit gestellt wird, Tiere als „Sachen“ und wie Konsumgüter behandelt und gesehen werden und Menschen zu Kostenfaktoren verkommen wäre es mehr als wichtig, sich mehr denn je das Lebensmotto der Franziskaner – um es flapsig zu formulieren – anzusehen.

(Foto © Tiroler Landesmuseen, Innsbruck)
Ich bin mir ganz sicher, da ist mehr für den modernen Menschen drinnen, als man glaubt. Zeit also die Ausstellung im DomQuartier Salzburg zu besuchen. Viele schöne Dinge zu entdecken, Lebenslust und Lebenskunst der Franziskaner mitzunehmen und damit die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Mir ging es jedenfalls so.
Die Ausstellung ist täglich, außer Dienstag, von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Im Juli und August täglich - auch am Dienstag - von 10:00 bis 18:00 Uhr. Einlass ist bis eine Stunde vor der Schließzeit.

Zur Ausstellung werden Führungen und Kuratorenführungen angeboten, es gibt eine Gesprächesreihe und Kreativ- und Familienangebote. Über die genauen Zeiten und Tickets sowohl für den Eintritt als auch für die Führungen und Anmeldungen checkt bitte die Website https://www.domquartier.at/sonderausstellung/lebenskunst-800-jahre-franz-von-assisi/

Anreise: Wer von Wien anreist, kann dies ganz entspannt und ohne Parkplatzsorgen mit der ÖBB ab Wien Hauptbahnhof machen. Auch für einen entspannten Tagesausflug empfehlenswert. Rechtzeitiges Buchen bringt Preisvorteile. Ich empfehle auf jeden Fall auch eine Sitzplatzreservierung. Weitere Info: https://www.oebb.at/
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