Es ist ein lauer Sommernachmittag, die letzten dunklen Wolken haben sich verzogen und ich bin – wie immer – zu früh dran.
Das macht aber gar nichts. So habe ich Gelegenheit, mich in der Kirche in Parndorf genauer umzusehen und auch ein bisschen durch die Gassen zu streunen. (Mehr darüber erfahrt ihr bald hier.) Und das Buffet vor dem Kulturgenuss zu testen :-)

Doch nun zurück zum Sommertheater
Das Stück: Der Geizige
Die Komödie von Molière ist eine der bekanntesten Werke des Franzosen, dessen Erfolg bereits seit dem Jahr 1668, dem Jahr seiner Uraufführung anhält und mit dem er seiner Umwelt wieder einmal einen Spiegel vors Gesicht hält.

Ein wohlhabender Mann, Harpagon, kennt nur eine Liebe: Sein Geld. Daraus resultiert auch seine große Angst, dass ihm dieses gestohlen werden könnte. Weder für seine Kinder noch für seine Mitmenschen hat er ein Herz – alles dreht sich nur um seinen Reichtum. So werden Clèante, sein Sohn und Élise, seine Tochter auch finanziell sehr kurzgehalten. Zum Entsetzen der Beiden plant er sie auch noch reich zu verheiraten – schließlich soll sich das Vermögen ja vermehren. Dabei sind beide doch schon verliebt, allerdings in Partien, die nur mittellos in eine Ehe gehen können.

Eine solche plant auch der alte Herr Papa, gedenkt er sich doch jung zu verheiraten: In Mariane, die Geliebte seines Sohnes, die ihm von der Heiratsvermittlerin Frosine vorgestellt werden soll.

Als nun sein Sohn diesen Plan mitbekommt, das Gold des Herrn Papa gestohlen wird und auch noch Valère, der Geliebte von Élise aus Rache von Jacques, dem Koch und Kutscher, des Diebstahls beschuldigt wird, beginnt das Chaos auszubrechen …
Die Besetzung
Georg Kusztrich als Harpagon, ist als Geiziger und Vater von Clèante und Élise eine Idealbesetzung. Jeder Auftritt ein reines Vergnügen. Fast leidet man mit ihm als der Diebstahl seiner Goldschatulle bekannt wird oder er seinen Ring an die „Fast-Verlobte“ Mariane verliert.

Allein die Szene der Befehlsausgabe an sein Personal für das „Verlobungsessen“ war dem Publikum viele, viele Lacher wert. Ausgezeichnet ergänzt wird er dabei von Hermann j. Kogler, der als Koch und Kutscher Jacques mit dem Geiz seines Herrn zurechtkommen muss und daher dem Schmeichler Valère, gespielt von Niklas Zoubek, eins auswischen will, indem er ihn des Diebstahls bezichtigt.

Dieser versucht jedoch durch seine Schmeicheleien nur seiner Geliebten Élise, der Tochter des Geizigen – gespielt von Sandra Högl – nahe zu sein und hofft dadurch die Gunst von Harpagon zu erringen. Was auch gelingt, allerdings nicht so weit, dass er seine Tochter mit ihm verheiraten würde. Diese schwankt wiederum glaubwürdig zwischen Aufbegehren und der Treue zu ihrem Vater.

Probleme gibt es auch mit Clèante, seinem Sohn, sehr überzeugend aufmüpfig von Benjamin Spindelberg dargestellt. Clèante liebt Mariane, gespielt von Fanny Holzer, die ihren Ekel vor dem alten hochzeitswütigen Harpagnon und seinem Geiz ausgezeichnet zum Ausdruck bringen kann.

Dazwischen wuselt Irene Budischowsky als Frosine, die Heiratsvermittlerin über die Bühne. Wohl auch um ihren eigenen Vorteil bedacht, aber doch mit Verständnis für Marian, die sie vom baldigen Ableben ihres zukünftigen Ehemanns zu überzeugen versucht. Doch auch sie ist dem Geiz von Harpagon ausgeliefert. Ihre Bitten um Vorschuss oder Bezahlung verhallen bei ihm ungehört.

Sissi Gotsbacher als Frau Claude, Harpagons Haushälterin hat ihren großen Auftritt bei der Einführung in die Arbeit des Kehrens: „Nur nicht zu fest, sonst wird der Boden zu sehr abgenützt!“

Als schließlich Anselme, Kurt Hexmann, Auftritt und sich als Vater von Valère und Mariane herausstellt, und auch die Goldschatulle wieder auftaucht, gibt es doch für alle noch ein gutes Ende.
Erwähnt werden müssen aber auch noch Intendant Christian Spatzek, als Makler und Geldvermittler, Luka Wagner als Brindavoine, Harpans Lakai, Florian Schwarz als La Fleèche, Cléantes Diener und Hanni Kusztrich, als Kommissarin.
Die Spielstätte
Hier wird ohne Mikrofon gespielt (immer aber gut verständlich), auf einer einfachen Bühne ohne Umbauten und anderen Schnickschnack. Und doch: Der Besuch beim Theatersommer hat etwas Besonderes: Der Spielort vor der Pfarrkirche. Die familiäre Atmosphäre. Wer ein bisschen früher kommt, kann sich davor oder in der Pause hinter dem „Zuschauerraum“ mit belegten Brötchen, Salzstangerl, Pogatscherl oder Wurst vom Nationalparkrind laben. Natürlich gibt es dazu neben Bier, Sekt, Frucade und Mineralwasser auch noch ein Gläschen vom ausgezeichneten burgenländischen Wein.

An kleinen Tischen oder im Liegestuhl kann man also hier mit viel Genuss auf den Vorstellungsbeginn warten. Hier schrillt auch keine laute Klingel beim Pausenende durch die Gegend. Für mich war es wie von Zauberhand geführt, als plötzlich das Publikum wieder zu seinen Sitzen strömte.

Und das Publikum war ebenso wie ich begeistert, anhaltender Applaus und Bravorufe am Ende der Vorstellung.
Auch bei Schlechtwetter ist man hier gewappnet. Sollte es regnen übersiedelt man einfach in den Festsaal der nahen Volksschule (7111 Parndorf, Schulgasse 1)

Gespielt wird heuer noch bis 2.August 2026. Wer den „Geizigen“ noch sehen möchte, sollte schnell sein, im Juli sind bereits alle Vorstellungen ausverkauft. Tickets können hier online gebucht werden.
All jenen, die das Stück unbedingt sehen möchten und in Parndorf oder Umgebung Urlaub machen oder wohnen, empfehle ich bei der Abendkassa vorbeizuschauen. Manchmal ergibt es sich und es sind doch noch ein oder mehrere Plätze frei.

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