Es ist eigentlich ein bisschen unfair, die Blockheide nur zu besuchen, wenn sie leuchtet. Aber dann muss man auf jeden Fall dabei sein.
Letztes Jahr habe ich dieses Festival zum ersten Mal entdeckt: „Blockheide leuchtet“ – und war sofort rundherum begeistert. Schon damals habe ich mir geschworen die Blockheide auch einmal „in natura“ zu besuchen – was ich leider nicht geschafft habe.

Aber beim diesjährigen Festival war ich wieder dabei.
Naturpark Blockheide
Die Blockheide ist ein Naturpark in der Nähe von Gmünd, der vor allem durch seine Steinformationen bekannt ist. Hier sind – unter anderem – auch die Wackelsteine zu Hause.

Riesige Steinblöcke, die auf einander liegen und bei denen man glauben könnte, dass sie in nichts komma nichts runterplumpsen, wobei sie von kräftigen Menschen schon auch bewegt werden können.Hier gibt es also tagsüber und bei Tageslicht einiges zu entdecken.

Wegen meines schlechten Gewissens hier ein Jahr lang nicht zu Besuch gewesen zu sein und auch weil ich gerne einen Parkplatz in der Nähe des Eingangs zur Veranstaltung haben wollte (ganz nah gibt es nicht) bin ich schon etwas früher angereist und habe mit einige der Steinformationen angeschaut, deren Form immer wieder die Fantasie der Menschen angeregt hat.

So gibt es auch eine Legende, wie diese Gegend entstanden sein könnte:
So hatte der liebe Gott nach der Erschaffung der Welt noch einiges zu tun: tiefe Gräben zu graben, damit das Wasser abfließen konnte, Berge zu errichten, Pflanzen und Sträucher zu setzen und die Tiere zu erschaffen.

Eines Tages wanderte er über den Manhartsberg nach Westen. Viele große und kleine Steine lagen hier herum – was ihm gar nicht gefiel. So band er sich eine Schürze um und begann die Steine einzusammeln. Als er in der Gegend der heutigen Blockheide ankam, war die Schürze schon so schwer, dass ihr Band riss und die mühsam eingesammelten Steine auf die Erde fielen und auseinanderrollten.

Es war bereits Abend und der Herrgott war müde und so ließ er die Steine liegen und begab sich zurück in den Himmel. Der nächste Tag brachte eine wichtige Aufgabe: Gott schuf die Menschen. Ganz von seinem Werk eingenommen, vergaß er auf die Steine in der Blockheide und so blieben sie bis zum heutigen Tag liegen.

In Wirklichkeit sind die Steinriesen ein Werk der Verwitterung über Millionen von Jahren. Regen, Wind, Hitze und Frost haben dazu geführt, dass sie aus dem von Klüften durchzogenen Granitgrund entstanden sind. Sie sind also nicht Findlinge, wie die von den skandinavischen Gletschern der Eiszeit bis ins norddeutsche Tiefland verfrachtete Blöcke, sondern Restlinge.

So bin ich also vor dem Festival zum Bett des Teufels gewandert, das für mich zwar eher wie ein gestrandeter Wal aussieht, habe mir das Brot des Teufels angesehen (mit der Bezeichnung bin ich einverstanden, der Felsen sieht wirklich so rund aus wie ein Brotlaib) und habe auch einiges über Steine und Granit, aber auch über den Verlauf des 15. Meridians erfahren. Und das alles in nicht einmal 15 Minuten.

Wenig später ging es dann schon los. Pünktlich um 19:30 öffneten sich die Tore und die Menschen strömten auf das Festivalgelände.
Das Festival „Blockheide leuchtet“
Da es noch nicht finster war, habe ich gleich zu Beginn die Gelegenheit genutzt den Aussichtsturm zu besteigen. 140 Stufen führen den Besuch in fast 26 Meter Höhe und bieten einen schönen Ausblick auf die Gegend. Vereinzelt konnte man schon die Lichter des Festivals aufleuchten sehen.

Jetzt noch schnell was zum Essen und zum Trinken holen und dann kann es losgehen. Auch dieses Jahr war der gebürtige Argentinier Martin Alday von Empanadas Blitz mit dabei.

Eigentlich müsste man sich ja durch all seine Varianten kosten, aber das schaffe ich leider nicht – doch immerhin habe ich wieder zwei verschiedene ausprobiert: einmal Cochinita Pibil mit Schweineschopf, mariniert mit Achicote-Paste, Limettensaft und Zimt, roter Zwiebel und Chopotle-Chili (ja, diese Variante ist scharf!) und dann Hongos, gefüllt mit einer Mischung aus Waldpilzen, Bergkäse, Mozzarella, Lauch, Majoran und weißer Pfeffer. Köstlich alle beide. Aber der Stiegler Radler dazu war fast ein wenig zu klein ausgefallen.

Doch nun konnte ich gestärkt durch den Wald von einem Leuchtkunstwerk zum anderen streifen. Ich nehme euch kurz zu ein paar meiner Highlights ausführlicher mit.
Infinite von Squidsoup
Zuerst wurde ich durch die leuchtend bunten Kugeln aufmerksam, die zwischen den Bäumen zu schweben schienen. Kaum war ich dort, wurde es dunkel.

Und dann – langsam – begannen einzelne Kugeln wieder zu strahlen, zuerst nur weiß, dann abwechselnd wieder in verschiedenen Farben.
Gut, dass es dort auch einzelne Liegestühle gibt. So kann man sich Zeit nehmen und die Installation in Ruhe betrachten.
Strata Lucis von Denny Voch
Aus dem Neben zwischen den Granitblöcken tauchen die Farben auf und leuchten in den Himmel. Fast sieht es aus, als ob es zwischen den Steinen brennen würde, aber der Nebel löscht wieder das Feuer. Es ist eine eigenartige, wunderbare Atmosphäre.

Die Kristallblumen von Markus Anders
Sie waren schon im Vorjahr dabei und beleuchteten die Wege rund um die Gastronomie. Wie große bunte Schneeglöckchen scheinen sie in die Nacht hinein.

So ein Blümchen hätte ich auch gerne für zuhause. Entweder am Balkon oder im Wohnzimmer, vielleicht ein wenig kleiner, immerhin sind die Kristallblumen des Festivals dreieinhalb Meter hoch …
It’s raining light von Circus Lumineszenz
Ich kann mich nicht entscheiden: Wie kleine Quallen oder doch kleine Regenschirme hängen diese „Wesen“ von den Bäumen, verändern ständig ihre Farben und beleuchten einen der Hauptwege.

Irgendwie fühlte ich mich versetzt in die stimmige Altstadtatmosphäre einer mediterranen Altstadt, wo ebenfalls immer wieder Regenschirme als Sonnenschutz über den schmalen Straßen hängen. Oder bin ich vielleicht doch ins Meer eingetaucht und ein Kolonie an „Wunderquallen“ leuchtet über mir?
White Noise von Janez Grošelj
Kleine „Spinnen“(?) laden ein, zu verweilen, ihre Unterschiede kennenzulernen, sie zu vergleichen, zu bewundern. Man wandert einfach von einer zur anderen und ist über ihre Zartheit, die gleichzeitig aber doch kompakt wirkt überrascht.

Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mit meiner Spinnenphobie diese doch größeren Ausprägungen mögen könnte. Vielleicht weil sie mich nicht mit Spinnenaugen anstarren? Oder weil manche auch an ein Wollknäuel erinnern?
Meridian von Flow Arts
Ein absoluter Höhepunkt sind für mich auch immer wieder die mystischen Gestalten, die durch das Festivalgelände wandern und ihre Kunst mit Reifen, Stäben oder Sicheln zeigen. Harmonische Bewegungen, Ausstrahlung und die unterschiedlichen Lichteffekte bringen einem zum Staunen.

Man wird von einer Minute auf die andere in eine neue Welt gezogen, in der Ruhe und Schönheit herrscht. Einfach genial. Muss man gesehen haben.

Es ist fast ein wenig gemein, nicht alle Künstler, die am Festival beteiligt sind, hier aufzuzählen, aber dann wird der Bericht einfach zu lange. Auf https://blockheide-leuchtet.at findet ihr alle Mitwirkenden des Festivals und in den Fotos sind auch noch weitere Künstler sowohl hier als auch in der Bildergalerie zu finden.

Doch am besten ihr besucht das Festival. Und wer es heuer nicht mehr schafft – auf jeden Fall für nächstes Jahr vornehmen: Dann leuchtet die Blockheide wieder…

Hier findet ihr weitere Fotos vom Festival 2026
Und hier noch ein kleines Video der Stimmungen:


