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Von den gekratzten Eiern aus Stinatz hatte ich schon mehrere Male gehört und auch schon welche gesehen – jetzt durfte ich es sogar selbst probieren …

Sie sind wunderschön: die gekratzten Ostereier aus Stinatz und haben eine lange Tradition in slawischen Volksgruppen. So kennt man diese Technik angeblich bei den Sorben in der Lausitz, den Slowaken aus der Gegend um Zips, in Böhmen, in Ungarn, Siebenbürgen und in Kroatien.

So sehen die gekratzten Eier von einer Expertin aus
So sehen die gekratzten Eier von einer Expertin aus

Von dort kam die Technik wahrscheinlich nach Stinatz ins Burgenland, wo es laut Wikipedia seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg praktiziert wird. Die Technik allerdings ist mehr als 100 Jahre alt. Mit einem eigens geschliffenen Stahlmesser werden feine Blumenornamente in ausgeblasene und gefärbte Hühnereier geritzt. Ursprünglich wurden die Ostereier mit Ornamenten oder religiösen Motiven verziert, heute ist man dabei großzügiger und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Noch ist er leer - aber nicht mehr lange ...
Noch ist er leer, mein Osterstrauß, aber nicht mehr lange

Doch in Stinatz droht das Handwerk auszusterben: nur mehr vier Familien beherrschen die Kunst des Eierkratzens, wie uns Wilma Zieserl, eine Expertin auf diesem Gebiet und unsere Kursleiterin gleich am Anfang des Workshops erklärt. Da wollen wir uns doch gleich ans Werk machen.

Der Workshop im Haydn-Haus

Bei der Durchsicht des heurigen Programmes im Haydn-Haus stach mir das Angebot über den Eierkratz-Kurs gleich in die Augen: Das muss ich doch einmal ausprobieren.

Werkzeug und "Ausgangsmaterial" brachte Frau Zieserl mit
Werkzeug und "Ausgangsmaterial" brachte Frau Zieserl mit

Ich habe ein Faible für all diese alten Handwerkstechniken, wobei ich gestehen muss, dass ich zwar (früher) leidlich zeichnen konnte, stricken noch immer beherrsche und meine Amigurumi-Tiere von meinen Ekelkinder auch geschätzt werden, aber all jene Beschäftigungen, die mit Töpfern, Schnitzen, Linolschnitt etc in Zusammenhang stehen nicht auf meiner Erfolgsliste sind. Aber warum nicht einmal Eierkratzen ausprobieren? Also machte ich mich mit einer Freundin auf nach Eisenstadt ins Haydn-Haus zum Schnupperkurs.

Vorarbeiten

Dazu notwendig sind – erraten – ausgeblasene und gefärbte Eier. Wie gut, dass Frau Zieserl diese gleich in ausreichender Menge bereits für uns mitgebracht hat. Ich staune bereits das erste Mal, denn so kleine runde Löchlein habe ich noch nie beim Ausblasen zusammengebracht. Ich bin da meistens ziemlich brutal mit einer Stricknadel vorgegangen, was anscheinend nicht die beste Vorgehensweise ist.

Versuch Nummero 1
Versuch Nummero 1

Also: Eier ausblasen, gut auswaschen, trocknen lassen, mit normalen Eierfarben färben, am besten aufhängen, damit keine Verfärbung durch Liegen entsteht und wieder innen und außen trocknen lassen.
Tipp: Anscheinend gibt es auch Bohrer und Pumpen für genau diesen Zweck - ich werde mich jedenfalls auf die Suche nach diesen "Helferleins" machen, testen und berichten.

Das Kratzen

Sodala – nachdem wir ja die Vorarbeiten nicht ausführen mussten, ging es gleich ans Kratzen. Und hier ist eine Mischung aus Gefühl und Gewalt angesagt. Drückt man mit der Messerspitze zu leicht, passiert gar nichts oder nur ein ganz leichter Strich. Drückt man allerdings zu stark, kann es sein, dass das Ei zerbricht. Und dann noch diese schönen Muster. Wie soll man die bitte je hinbekommen.

So kratzt man richtig
So kratzt man richtig

Während ein gerader Strich bald ganz gut gelingt, sind die Rundungen der Blütenblätter für mich eine echte Herausforderung. Es ist wie beim Skifahren, der Bogen in die eine Richtung gelingt fast perfekt, doch der Bogen in die andere Richtung ist ein Albtraum. Das erste Ei sieht ein bisschen nach „krixi-kraxi“ aus. Beim zweiten wird es schon etwas besser, aber die Perfektion von Frau Zieserl erreiche ich klarerweise nicht. Gut, wahrscheinlich liegen zwischen meinen Versuchen und ihren Arbeiten auch geschätzte 10.000e Eier dazwischen …

Versuch Nummero 2
Versuch Nummero 2

Noch ein Tipp: legt euch die Eier unbedingt in ein dünnes Tuch. Erstens schützt es das Ei und es liegt irgendwie besser in der Hand und lässt sich auch leichter drehen und zweitens schützt es eure Hände: vor Farbe und vielleicht auch ein bisschen, wenn ihr beim Kratzen einmal abrutscht.

Versuch Nummero 3
Versuch Nummero 3

Mein drittes Ei ist am schwierigsten zu kratzen. Dies liegt anscheinend an der Farbe schwarz. Schön langsam entwickle ich ein Gefühl für die Zeichnung und die Aufteilung meiner „Blumen und Blätter“. Mit den traditionellen Mustern aus Stinatz haben diese allerdings nichts zu tun.

Dennoch: Der Schnupperkurs hat riesig Spaß gemacht und ich verspreche: „Ich bleibe dran“. 

Finalisierung

Nahm man früher nach dem Bemalen oder Färben der Eier Speckschwarten, um die Farbe zu schützen und es so richtig glänzend zu lassen, ist es jetzt anscheinend Usus Klarlack zu nehmen. Aber das sollte kein Problem sein. Vorher vielleicht noch ein Bändchen durchziehen, damit man es zum Trocknen aufhängen kann und damit keine „Druckstellen“ entstehen. Und schon gibt es ganz neue Facetten am Osterstrauß. Noch ist er leer – aber nicht mehr lange!

Meine drei Versuche im Vergleich
Meine drei Versuche im Vergleich

Weitere Versuche werden sicher folgen. Wenn ihr allerdings an der Technik interessiert seid und dies auch einmal ausprobieren wollt, kann ich euch nur raten, so einen Workshop zu besuchen. Wilma Zieserl hält immer wieder - vorallem vor Ostern - ihre Workshops ab und es macht auf jeden Fall Sinn, einen solchen zu besuchen, bevor man ein "Messer" in die Hand nimmt. Und sie ist eine Meisterin ihres Faches. Es zahlt sich also aus.

Hier noch einmal ihre Kurzzusammenfassung:

Auch der ORF Burgenland brachte einen kleinen Bericht über unsere Versuche:

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