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Wandteppiche oder Gobelins hatten für mich immer den Beigeschmack längst vergangener Zeiten.

Dabei dachte ich immer an Schlösser oder Burgen, dunkle Zeiten und kalte Wände. Antike Motive von badenden Nymphen, Göttern oder Königen. Irgendwie erinnere ich mich auch an einen Wandteppich (oder einen Goblin), den meine Großmutter im Schlafzimmer an einer Wand hängen hatte – und dass es in diesem Zimmer auch immer schrecklich kalt war, da nur ein kleiner Koksofen den gemeinsamen Raum von Zimmer und Küche heizte.

Hier geht es in die Mährische Gobelin-Manufaktur
Hier geht es in die Mährische Gobelin-Manufaktur

Vielleicht war auch deshalb mein Interesse nicht übermäßig groß als es um den Besuch der Mährischen Gobelin-Manufaktur in Valašské Meziříčí ging. Doch das änderte sind bald.

Gobelin, Tapisserie und Wandteppich

Was sind eigentlich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bezeichnungen. Grob könnte man sagen: alles was an einer Wand hängt ist ein Wandteppich, aber nicht jeder ist ein Gobelin oder eine Tapisserie.

Im Museum der Mährischen Gobelin-Manufaktur
Im Museum der Mährischen Gobelin-Manufaktur

Gobelin

Ursprünglich war Gobelin so etwas ähnliches wie ein Markenname. Die aufwendig gewebten Teppiche zeigten kunstvolle Szenen – (oft Historisches, Landschaften oder Mythologie) und wurden ursprünglich in der Pariser Manufaktur Gobelin hergestellt, die nach der Familie Gobelin benannt war, die im 17. Jahrhundert in Paris eine Färberei betrieb. Später wurde die Bezeichnung für die Gattung der hochwertigen und kunstvoll gewebten Wandteppiche verwendet, auch wenn sie in anderen Manufakturen hergestellt wurden. Und das gilt bis heute.

Jan T. Strýček war einige Zeit Leiter der Mährischen Gobelin-Manufaktur
Jan T. Strýček war einige Zeit Leiter der Mährischen Gobelin Manufaktur

Tapisserie

Eine Tapisserie ist ein gewebtes Bild, das auf einem Webstuhl hergestellt wird und bei dem die Motive dabei einzeln mit den Schussfäden in die Kettfäden eingewebt wird. Der Faden wird also nicht komplett von einer Seite bis auf die andere Seite durchgezogen, sondern man webt die Bilder nacheinander auf den Untergrund ein.

Diese Kunst gibt es schon seit Jahrhunderten. Damit gehören also auch Gobelins zur Familie der Tapisserien, wobei es auch Gobelinstickerei und Gobelinmalerei gibt.

Verwirrt? Es geht mir nicht anders, doch das soll mich nicht abhalten euch weiter von der Gobelin-Manufaktur zu erzählen.

Die Mährische Gobelin-Manufaktur

Hier werden nämlich ebenfalls die verschiedensten Arten von Teppichen hergestellt und dies in langer Tradition. Seit über hundert Jahren stellt man hier klassische Wandteppiche in Handarbeit her. Seit mehr als 60 Jahren hat man sich auch auf die Restaurierung von alten und historischen Textilien spezialisiert.

Es wird hier geknotet
Es wird hier geknotet

Bei unserer Führung wird uns nicht nur gezeigt, wie die Knoten gemacht werden und mit den unterschiedlichen Farben ein Bild entsteht, sondern wir könne auch einer anderen Dame beim Weben zusehen.

 

und gewebt
.. und gewebt

Ich bin noch immer fasziniert, wie sie es schaffen kann, aus den verschiedenen Blau oder Grüntönen die richtigen herauszufinden, um dann das hinterlegte Bild entstehen zu lassen. Wahrscheinlich müsste ich bei einer Arbeit daran, mehr verbessern und wieder „auftrennen“ als ich richtig weben könnte.

Wie schafft man es bloß, die richtigen Farben zu finden
Wie schafft man es bloß, die richtigen Farben zu finden

Auch die lange Arbeit an einem Stück, die noch dazu höchste Konzentration zu erfordern scheint, wäre wahrscheinlich nichts für mich.

Auch das Restaurieren alter Teppiche wird hier gemacht
Expertise im Restaurieren historischer Teppiche

Das gleich gilt für die Restauration. Bei unseren Besuch liegt ein wunderschöner Wandteppich auf einem großen Tisch, auf dem rund um den Teppich herum Garne in den verschiedensten Farbschattierungen liegen. Auch hier sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Farbtönen durchaus minimal, aber auch sie müssen genauso am richtigen Ort eingesetzt werden, um wieder das genaue Bild zu ergeben. Allein das Färben der Fäden muss eine Wissenschaft sein, um den genauen Farbton zu treffen.

Die verschiedenen Farbtöne
Die verschiedenen Farbtöne

Auch dafür zeichnet sich die Mährische Gobelin Manufaktur aus. Auf ihrer Website findet sich eine große Anzahl an historischen Kunstwerken, die sie wieder zum Strahlen bringen und instand setzen konnten.

Zum Teil sind hier riesige Maschinen zu sehen
Zum Teil sind hier auch riesige Maschinen zu sehen

Schließlich bestaunen wir noch die riesigen Maschinen und treten dann ins Museum ein, wo mich die nächste Überraschung erwartet. Hier kann man sehen, dass Wandteppiche nicht nur klassische Motive oder Szenen aus längst vergangenen Zeiten schmücken müssen, sondern durchaus auch Künstler der Gegenwart Gefallen daran fanden, Wandteppiche zu gestalten. Einige begeistern mich sehr.

Hommage an Meister J.K. von Jan T. Strýček
Hommage an Meister J.K. von Jan T. Strýček

Besonders die Entwürfen von Jan T. Strýček gefallen mir – erinnern mich doch manche ein wenig an die Bilder von Wolfgang Hutter.
Jan Timotej Strýček war ein tschechischer Maler und Grafiker, der an der Akademie für Angewandte Kunst in Prag Textildesign studiert hatte.

Es gibt auch verschiedene Kataloge zu kaufen
Es gibt auch verschiedene Kataloge zu kaufen

Von 1978 bis 1988 war er künstlerischer Leiter der Mährischen Gobelin-Manufaktur, ab 1993 leitete er sie und prägte ihr künstlerisches Profil. Er lebte und arbeitete in Valašske Meziříčí und schuf zahlreiche Gobelins und Teppiche. 2011 wurde ihm der Stadtpreis von Valašske Meziříčí verliehen.

Ein bisschen haben mich die Figuren an Wolfgang Hutter erinnert
Ein bisschen haben mich die Figuren an Wolfgang Hutter erinnert

Staunend gehe ich durch das kleine Teppichmuseum und schaue mir die vielen unterschiedlichen Kunstwerke an, bis ich plötzlich vor einer Tür stehe, die in ein kleines Café führt, das ebenfalls im Museum untergebracht ist. Hier kann man nach einer Führung oder einem Workshop noch einen Café und ein Stück Kuchen genießen oder ein Souvenir erwerben.

Blick ins Museum
Blick ins Museum

Für mich hat auch dieser Besuch wieder einmal gezeigt, dass man ohne Vorurteile einfach alles ansehen und besuchen sollte. Nur so lassen sich überraschende Entdeckungen machen und auch wieder Neues oder fast Vergessenes kennen lernen.

Blick ins Museum und zum Café
Blick ins Museum und zum Café

Wenn ihr also auch Teppiche, Gobelins, Tapisserien oder ganz einfach Wandteppiche in vielen unterschiedlichen Designs kennen lernen möchtet, beim Renovieren alter Tapisserien oder beim Weben neuer Teppiche zusehen oder in einem Workshop selbst Hand anlegen möchtet, seid ihr in der Mährischen Gobelin-Manufaktur richtig.

Im Café
Im Café

Dennoch nehmt bitte vor eurem Besuch mit dem Museum Kontakt auf. Bei unserem Besuch war eine Führerin dabei, die alle Erklärungen ins Deutsche übersetzte. Wenn ihr also einen Workshop oder eine Führung machen wollt, klärt bitte die Sprachvarianten vorher ab. Man kann aber auch nur das Teppichmuseum und das Café ohne Führung besuchen.

Man braucht verschiedene Utensilien
Man braucht verschiedene Utensilien

Moravská gobelínová manufaktura
757 01 Valašské Meziříčí, Husova 364/4
Tel: +420 571 612 641, mobil: +420 602 280 509
Café: +420 702 028 825
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
www.gobelin.cz

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