Das Spiegelcafé ist eines der bekanntesten Kaffeehäuser in Triest und bietet einen wunderschönen Ausblick über den wichtigsten Platz der Stadt: Die Piazza dell'Unità d'Italia.
Das Cafè wurde bereits 1839 eröffnet und ist das einzige von den ursprünglich vier Kaffeehäusern des Platzes, das bis heute geöffnet ist. Dennoch hat das Lokal, ebenso wie der Palazzo Stratti, in dem es untergebracht ist, eine wechselhafte Geschichte.

Der Bau des Palazzo Stratti wurde auf Initiative des griechischen Kaufmanns Nicolò Stratti von Antonio Buttazzoni erbaut und 1839 fertig gestellt. Im selben Jahr eröffnete der Grieche Nicolò Priovolo das Caffè degli Specchi, das er 45 Jahre lang betrieb. Durch seine Lage am Piazza Granda wurde das Café zu einem beliebten Treffpunkt der Triestiner Gesellschaft und auch heute sitzt man gerne im oder außerhalb des Lokals und sieht dem Treiben am Platz zu.

Für den Besitzer des Palazzos war die Geschichte allerdings bereit 1846 zu Ende: Er hatte sich aufgrund der hohen Baukosten stark verschuldet, sodass er das Palais an die Generali Versicherung verkaufen musste.
1884 übernahmen Antonio Cesareo und Vincenzo Carmelich das Café. Bei der Renovierung 1933 wurde es unter anderem elektrifiziert. In dieser Zeit wurde das Kaffeehaus zum Stammcafé des Literaten Italo Svevo und auch James Joyce war hier gerne zu Gast.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Quartier der US-amerikanischen und britischen Besatzungsmächte, während die Triestiner Bevölkerung in dieser Zeit der Zugang zu den Räumlichkeiten nur mit Passierschein erlaubt war.

Nach dem Abzug der Allieerten übernahm Angelo Asperi aus Bergamo die Leitung des Kaffeehauses und eröffnete es 1953 wieder, wobei es wegen Renovierungsarbeiten am Gebäude von 1967-1969 wieder geschlossen werden musste.
1982 übernahm die Triestiner Kaffeerösterei Hausbrandt die Leitung, 1990 die Familie Sessa, die es aufgrund hoher Kosten aber im Oktober 2011 schließen musste. Wenige Monate später wurde allerdings der italienische Kaffeeröster Segafredo Zanetti als Käufer gewonnen, der das Traditionscafé an die Konditorkette Peratoner aus Pordenone verpachtete.

Natürlich haben wir auch dieses Café besucht, und ganz ehrlich, es hat schon etwas hier am Nachmittag oder Abend zu sitzen und auf die Piazza und das Meer zu blicken. Wir haben hier allerdings nicht bei Kaffee und Kuchen zugeschlagen, sondern wollten ein kleines Hüngerchen stillen und einen Aperitivo zu uns nehmen.
So kann ich von einem hervorragenden Mojito berichten, dessen Mischung und Alkoholgehalt dem Café alle Ehre macht. Auch die große Freundlichkeit der Kellner soll nicht unerwähnt bleiben.
Kaum hatten wir die Getränke bestellt, waren auch schon diverse Knabbereien in kleinen Schüsselchen vor uns aufgebaut.
Meine Freundin entschied sich für eine Parmigiana di melanzane, eine Art Gemüseauflauf mit Melanzanin, die nicht nur schön aussah, sondern auch ausgezeichnet schmeckte.
Mein kleiner Thunfischsalat stellte sich als Riesenportion heraus, der Salat knackig frisch, und auch Gurken und Paradeiser ausgezeichnet frisch und wohlschmeckend. (Ist ja heutzutage auch nicht mehr überall so, dass das Gemüse wirklich als geschmackvoll zu bezeichnen ist).
Am meisten aber war ich überrascht, dass zusätzlich zu unseren bestellten „Snacks“ auch noch ein hervorragender „Gruß aus der Küche“ serviert wurde. Dieses Service haben wir sonst nirgendwo gefunden und dafür kann es nur eine große Empfehlung für das Spiegelcafé geben.

Bei meinem nächsten Besuch ist ein Brunch im Cafè degli Specchi angesagt, allein für die Riesenauswahl, die hier angeboten wird, müsste man eine Woche und länger in Triest bleiben. Da werde ich aber dann auch überprüfen, ob die Geschichte mit dem Namen des Cafés stimmt. Dieses Mal sind wir ja nur auf der Terrasse gesessen und haben das Innere kaum eines Blickes gewürdigt.
Angeblich gab man dem Kaffeehaus deshalb den Namen Spiegelcafé, da auf seinen Spiegeln seit seiner Eröffnung immer bedeutende historische Ereignisse auf den Spiegeln oder den Glasscheiben graviert wurden. Allerdings sollen nur mehr drei dieser Gravuren erhalten sein.

Das muss gecheckt werden – es lohnt sich also wieder zu kommen. Vielleicht sollte ich dann auch in der Stadt des Kaffees endlich auch eine der vielen verschiedenen Kaffeesorten probieren …
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