Es ist eine Schande. Ich habe bei meinem Triest-Besuch nicht einen Espresso (oder eine der zahlreichen anderen Möglichkeiten, die die Kaffeehäuser in der Stadt des Kaffees anbieten) in einem der vielen Kaffeehäuser getrunken. Wenigstens habe ich im Caffè Eppinger einige süße Spezialitäten Triests gekauft und nach Hause mitgenommen.
Ich bin und war schon immer der Meinung, dass kulinarische Souvenirs dem Plastik-Kitschzeug aus China, das dann zuhause ohnehin nur verstaubt, vorzuziehen sind. Sie lösen sich zwar irgendwann in Luft auf (= sie werden gegessen, getrunken oder verkocht), aber man kann damit seine Erinnerungen an den Urlaub hochhalten und kulinarische Entdeckungen noch einmal so richtig genießen.

Im Schmelzpunkt italienischer, österreichischer, ungarischer und slowenischer Küche gibt es einiges, das man unbedingt ausprobieren sollte. Mein Reiseführer sprach von Presnitz, Favette, Pinza, Teresiane und Putizza – die alle als die typischen Mehlspeisen von Triest gelten.

Wobei gesagt werden muss, dass einem beim Blick in die Verkaufstheken der Konditoreien und Kaffeehäuser, deren Zahl es reichlich in der Stadt gibt, noch viele andere Köstlichkeiten das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. All diese Törtchen, Krapfen und Cornetti machen mich schon allein vom Anschauen einige Kilo schwerer – aber egal. Es ist Urlaub!
Dennoch: Ich möchte immer die regionalen Spezialitäten probieren – so auch dieses Mal. Putizza konnte ich mir noch ein wenig von der slowenischen Potica ableiten, aber stimmte das?

Also auf zum Eppinger, wo ein ausgesprochen netter Verkäufer die unterschiedlichen Spezialitäten vorstellte und ich natürlich einiges auch später in meinen Koffer packte.
Putizza
Fangen wir doch gleich einmal mit der Putizza an. Ich hatte mit meiner Vermutung und der Ähnlichkeit mit der slowenischen Potica also recht. In Triest wird Germteig mit Nüssen, Rosinen, Schokolade, Zucker Honig und Zimt gefüllt, zu einer Rolle geformt und meist in einer runden Backform wie eine Schnecke gebacken.

Und hier wie dort hat jede Familie ihr eigenes Rezept (sowie auch bei den anderen Spezialiäten), das dann auch innerhalb der Familie weitergegeben wird. Beim Caffè Eppinger kommt die Putizza ohne das „Loch in der Mitte“ aus.
Mehr über die slowenische Potica findet ihr hier: Walnuß Potica und Estragon Potica
Presnitz
Diese Spezialität besteht aus Blätterteig und nicht aus Germteig und ist eine traditionelle Süßspeise aus der Karsthochebene. Um diese Spezialität rankt sich eine besondere Geschichte, die wahrscheinlich nicht wahr, aber zumindest gut erzählt ist:
Kaiser Franz Joseph besuchte mit seiner Gemahlin Sisi Triest. Zu diesem Anlass wurde ein Wettbewerb für eine Süßspeise ausgeschrieben, die mit dem Titel „Premio Principessa“ (Prinzessinnenpreis) ausgezeichnet werden sollte. Dieser Titel wurde dann von den Triestern auf „Presnitz“ einfach verkürzt.

Die Füllung besteht auch hier aus verschiedenen Nüssen, Rosinen und Schokolade. Manchmal kommen auch getrocknete Feigen, Orangen- und Zitronenabrieb dazu. Wie auch bei der Putizza können die Rosinen in mehr oder weniger Rum oder Marsala eingelegt werden. Auch hier gibt es meistens eine Rolle, die in eine runde Form hineingelegt wird.
Kleinere „Einheiten“ gibt es – zumindest im Caffè Eppinger. Diese haben eher die Form eines Kipferls.
Favette
Während Putizza und Presnitz früher eher zu Ostern auf den Tisch kamen (heutzutage sind sie während des ganzen Jahres erhältlich) sind die Fave das Gebäck, das traditionell zu Allerheiligen gebacken und gegessen wurde.

Doch auch die kleinen Mandelplätzchen sind nun ganzjährig erhältlich uns so mussten auch sie mit. Sie haben den Geschmack von Vanille, Rosenwasser oder Schokolade und ihre damit verbundenen Farben weiß, rosa und braun sollen die Geburt, das Leben und den Tod symbolisieren.
Ich habe sie zwar probiert, aber da ich nicht der größte Mandelfan bin, muss ich gestehen, dass ich da lieber bei Putizza oder Presnitz bleibe.
Pinza
Das Germteiggebäck kennt man als Pinze auch hierzulande und hatte auch eine ursprüngliche Beziehung zu Ostern: so soll seine Form an den essiggetränkten Schwamm erinnern, den jemand Jesus am Kreuze reichte.

Teresiane
Die Teresiane sind eine verhältnismäßig neue Spezialität, die anlässlich des 300. Geburtstages von Kaiserin Maria Theresia bei einem Konditorwettbewerb von Lisa Angelini vom Laboratorio Artigianale Liberty kreiert wurde.
Sie besteht aus drei zarten Zimtkeksscheiben und dazwischen zwei cremigen Schichten. Dabei sind die Zutaten bewusst symbolisch gewählt: Kaffee steht für Triest, das immer historisch eng mit dem Kaffeehandel verbunden war, Zimt steht für Österreich als Hinweis auf die habsburgisch-mitteleuropäische Tradition und Karamell steht für Ungarn und der österreichisch-ungarischen Kulturwelt. Damit kann man gewissermaßen die Geschichte Triests in einem Bissen erzählen.

Meine „Versorgungsstelle“, die ich wärmstens empfehlen kann, war das Caffè Eppinger,
Caffè Eppinger
34122 Trieste, Via Dante Alighieri 2/B
Tel: +39 040 637838
Email:
https://eppingercaffetrieste.it/
Mehr über Triest findet ihr hier:



