Es gibt zwar eine ganze Menge in Triest zu sehen, aber so eine kleine Ausfahrt übers Meer ist auch nicht zu verachten.
Vom Molo Bersagliere bietet die Schiffslinie Delfino Verde täglich mehrere Abfahrten nach Muggia (aber auch nach Grado oder Venedig) an. Die Abfahrtszeiten findet ihr hier.

Die Tickets kann man bequem an Board kaufen (ich empfehle gleich eines für die Rückfahrt mitzubuchen) und eine halbe Stunde später legt das Boot im kleinen Hafen von Muggia an, worauf sich alle Touristen sofort auf den Weg in die Altstadt machen.

Diese ist nur ein paar Schritte entfernt und wird vom Duomo Arcipretale dei Santi Giovanni e Paolo – der Dom der Heiligen Johannes und Paul – dominiert.

Hier, auf der Piazza Marconi gibt es auch eine kleine Touristeninformation, das Rathaus und die ersten Gasthäuser, die meistens ebenfalls sofort von den Touristen besetzt werden. Da lohnt es sich eher sich ein wenig in den schmalen Gässchen der Altstadt umzusehen oder zur Festung hochzuwandern.

Je weiter man sich vom Hauptplatz entfernt, umso ruhiger wird es und umso typischer für istrische Kleinstädte. Oft sind die engen Gassen mit Blumen geschmückt, hier und da findet sich ein Laden mit Kunstgewerbe – Malereien und Keramik.

Am Weg zum Castello sind wir auch bei der kleinen Kirche des Heiligen Franziskus vorbeigekommen, deren Pieta, die verschiedenen Seitenaltäre und eine Krippenausstellung sehenswert sind. Vor allem die unterschiedlichen Mariendarstellungen und der Ausdruck der Gesichter haben mich wieder einmal sehr fasziniert.

Endlich sind wir beim Castello di Muggia angelangt, erfreuen uns an der schönen Aussicht über den Golf von Triest und wollen natürlich auch das Schloss besichtigen. Doch hier erwartet uns – wie auch einige andere Touristen die den Weg „hochgekeucht“ sind, eine böse Überraschung: Wir stehen vor versperrten Toren.

Das Schloss ist in Privatbesitz und öffnet nur zu bestimmten Veranstaltungen seine Tore. Es lohnt zwar schon die Gässchen hochzuklettern, allein der Ausblick macht die Anstrengung wieder wett – wer aber nicht gut zu Fuß ist oder vielleicht nicht so viel Zeit für seinen Aufenthalt mitbringt, sollte sich unbedingt auf der Website des Schlosses informieren, ob auch wirklich geöffnet ist.

Das Schloss ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen, Tickets können über die Website (auch in Deutsch) gebucht werden.
Nach einer kleinen Rast und einer ausführlichen Betrachtung der Umgebung haben wir jedenfalls beschlossen, uns wieder Richtung Meer zu begeben.

Wenn ihr nun wieder zum kleinen Ankunftshafen zurückkehrt und dort am Meer entlang geht, findet ihr nicht nur immer wieder ein Kiosk, das Getränke und kleinere Snacks anbietet, sondern ihr könnt – sofern ihr Badesachen mitgenommen habt – auch einen „Sprung“ ins Wasser wagen. Viele Einheimische und Touristen haben es sich einfach auf dem schmalen Streifen zwischen Meer und Straße gemütlich gemacht. Wen das „Wildbaden“ nicht so liegt, der hat auch die Möglichkeit ein offizielles Bad zu besuchen.

Wir haben es uns bei einem Kiosk gemütlich gemacht, Espresso und Menta (dieses giftgrüne Zeug) getrunken und aufs Meer hinausgeblickt, einen Schwimmer der parallel zum Strand seine Längen zog bewundert und einer Kindersegelschule zugesehen.

Dann wurde es bereits wieder Zeit langsam zum Hafen zurückzukehren, um nicht die Rückfahrt zu verpassen. Achtung: Es gibt im Hafen keine Sitzgelegenheiten, außer ihr seid gewillt, am Hafenrand zu sitzen und die Beine über dem Wasser baumeln zu lassen. Allerdings sollte man in der Hauptsaison auch nicht zu spät eintreffen, da die Rückfahrt zwar gebucht, aber nicht für eine bestimmte Abfahrtszeit reserviert ist und es kann immer wieder vorkommen, dass sich größere Gruppen im Hafen einfinden, die ebenfalls wieder nach Triest gebracht werden.

Wer unbedingt das letzte Boot für seine Überfahrt nehmen möchte, sollte sich vielleicht sicherheitshalber auch über die Abfahrtszeiten und -orte der öffentlichen Verkehrsmittel (Bus) erkundigen.
Die Sehenswürdigkeiten der Stadt
Der Dom Santi Giovanni e Paolo
Der Dom am großen Hauptplatz, der Piazza Marvoni, ist das Gebäude, das den Platz dominiert. Die Kirche wurde auf den Überresten einer früheren Kirche aus dem 10. Jahrhundert erbaut. 1263 wurde der Dom, der den Heiligen Johannes und Paulus gewidmet ist, vom Bischof von Triest geweiht. 1467 wurde das Gebäude mit weißen Steinplatten aus den Steinbrüchen von Aurisina verschönert.

Der romanische Dom zeichnet sich durch seine Fassade im Stil der venezianischen Renaissance-Gotik aus und wird von einer Rosette mit der Darstellung der Madonna mit Kind geschmückt.

Im Inneren der Kirche kann man Fragmente von Fresken aus dem 14. Jahrhundert sehen. Die beiden silbernen Figuren stellen die Heiligen Johannes und Paulus dar, denen der Dom geweiht ist. Sie sind auch außen über dem Hauptportal neben dem Relief der Dreifaltigkeit zu finden.

Beide Heilige sind Schutzpatrone der Stadt. Weil ihr Gedenktag auf den 26. Juni fällt, also knapp vor der Sommersonnenwende, wurden sie im Laufe der Jahrhunderte zu wichtigen Wetterheiligen, zu denen die Landwirte der Region beteten, um ihre Ernte vor Unwettern, Blitzschlag, Hagel und Dürre zu schützen.

Das Bronzekruzifix stammt vom Bildhauer Ugo Carà aus Muggia, dessen Museum unweit des Doms zu besichtigen ist.
Castello di Muggia
Muggia scheint von früh an von einem aufständischen Völkchen besiedelt gewesen zu sein, manchmal konnte man sich nicht entscheiden, wen der Nachbarn man unterstützen oder bekriegen sollte und manchmal stritten sich auch die noblen Familien untereinander und bekämpften einander bis aufs Blut.

Einer der Aufstände gegen die Patriarchen der Stadt und Aquileia führte im späten 14. Jahrhundert zum Bau der Burg. Der Aufstand unter der Führung des venezianisch gesinnten Adeligen Raffaele di Ser Steno wurde im November 1374 vom friaulischen Heer niedergeschlagen und der Patriarch von Aquileia, Markgraf von Randeck befahl eine Festung am Gipfel des Montalbano-Hügels zu errichten.

Die Leitung des Baus, der von 1374 bis 1399 übernahm Frederico di Savorgnan, der dabei einen bereits bestehenden Wachturm integrierte und Steine der abgerissenen mittelalterlichen Stadtmauer verwendete. Mit der Festung wollte man nicht nur eine bessere Kontrolle über die aufmüpfige Bevölkerung ausüben, sondern sie diente auch der Verteidigung des patriarchalisch-feudalen Herrschaftsgebiet.

1420 ging dennoch die Herrschaft über Muggia und damit über die Festung an die Republik Venedig. Diese ernannte einen Kastellan, der mit einer kleinen Garnison die Verteidigung Istriens sichern sollte. Im Laufe der Zeit kam es immer wieder zu militärischen Konflikten, 1511 wurde die Burg sogar mit Kanonen beschossen und auch ihr Aussehen veränderte sich.

Doch ihre Aufgaben gingen mehr und mehr verloren und die Festung verfiel zusehends. Anfang des 19. Jahrhunderts bestand sie größtenteils nur noch aus den äußeren Mauern.

1903 erwarb schließlich der Apotheker Giacomo Derossi die Burg aus dem Staatsbesitz und begann mit den ersten Renovierungsarbeiten und dem Bau eines zentralen Turms. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen von der deutschen Militärgarnison genutzt, danach wurde es Zufluchtsstätte für vertriebene Familien.

1991 erwarben der Bildhauer Villi Bossi und seine Frau das Schloss, leiteten eine umfassende Restaurierung ein, kauften 1993 die originalen Holzportale der Basilika San Giusto für die Einänge und verwandelten die alte Ruine in ein Wohnhaus und ein Atelier.
2025 wurde das Anwesen an die Culture Arti e Saperi verkauft, die nun das Ziel verfolgt, den historischen Ort für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Santuario dell’Assunta di Muggia Vecchia (Basilica di Santa Maria Assunta)
Eigentlich sind wir hier mitten im archäologischen Park, aber ich muss gestehen, ich hatte nur die Augen auf die Kirche gerichtet.
Die romanische Basilika aus dem 11. Jahrhundert wurde auf den Resten noch älterer Kultstätten errichtet und steht auf dem Hügel von Muggia Vecchia. Sie ist geprägt durch die markante Fassade mit dem Glockengiebel und dem Fehlen einer äußeren Apsis, ein Merkmal, das für viele byzantinische und vorromanische istrische Kirchen typisch ist, während das Innere in drei Schiffe unterteilt ist.

Das Mittelschiff mit einem erhöhten Presbyterium, das in einer Apsisnische endet, die wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammt. Beide seitliche Gewölbe enden mit einem Tonnengewölbe, das den Altar überblickt, während die linke Kapelle den römischen Grabstein des C. Iulius Nicostratus als Altar verwendet. In der rechten Kapelle kann man den Tabernakel mit dem Emmaus-Abendmahl sehen, das Carlo Sbisà 1953 auf der kleinen Bronzetür schuf.

Sehenswert sind vor allem die Fresken aus dem 13. Jahrhundert und ihre Geschichten. Da die Bevölkerung zu der Zeit kaum lesen und schreiben konnte, waren diese Darstellungen oft die einzige Möglichkeit den Menschen die Heilige Schrift und das Leben der Heiligen näher zu bringen. Es finden sich Fresken, die Passagen aus dem Leben Christi darstellen, ebenso wie Szenen vom Tod Marias und ihrer Himmelfahrt. Die vier Mittelpfeiler stellen die vier Evangelisten vor, unter dem vorletzten Bogen rechts kann man die segnende Madonna mit Kind in byzantinischer Ikonographie sehen.

Die Heilige Katharina von Alexandrien ist auf der ersten Säule links zu sehen, sie überlagert die Fresken aus dem 10. Jahrhundert. Auf der rechten Seite ist der Heilige Christophorus, der Schutzpatron der Pilger, abgebildet, der das Jesuskind mit dem Globus auf der linken Schulter und den Märtyrerpalmenzweig in der rechten Hand hält. Zahlreiche Graffiti in Latein und Glagolitisch, die das Fresko überlagern, lassen auf eine große Anzahl von Pilgern in früheren Zeiten schließen.
Chiesa di San Francesco d’Assisi (Kirche des Heiligen Franziskus)
Die Kirche hat einen einfachen, rechteckigen Grundriss mit einem Altarbereich im gotischen Stil und entstand durch den Anbau an das alte Kloster der Franziskaner-Minoriten, die zwischen 1330 und 1340 nach Muggia kamen und sich hier niederließen. Um 1410 wurde der Bau fertiggestellt.

Im Inneren befindet sich eine Temperamalerei der Stillenden Madonna aus dem 14. Jahrhundert, die Pietà, die mich sehr beeindruckt hat und ein Vesperbild aus dem 15. Jahrhundert von der Schule von Salzburg, sowie ein Altarbild aus dem 17. Jahrhundert mit der Darstellung der Gürtelmadonna von Pietro Liberi.

Außerdem gibt es eine Krippensammlung aus verschiedenen Regionen Italiens und der ganzen Welt.
Mandracchio
Wenn man von der Anlegestelle zur Altstadt geht, kommt man bei einem Mandracchio vorbei, dem ich zuerst nicht viel Bedeutung zugemessen habe. Allerdings werden diese kleinen Fischerbecken, in Muggia reicht er fast bis zum Hauptplatz, immer seltener und sollten von uns Touristen daher auch mehr gewürdigt werden.

Es ist dies ein speziell geschützter, innerer Teil eines Hafens, der für Fischerboote, Barkassen, Jachten oder Lastkähne reserviert ist, meist in einer natürlichen Bucht liegt oder von dicken Mauern umgeben ist, um die Boote gut gegen starken Wind, wie z.B. die Bora an der Adria oder Sturmfluten schützen zu können.

Früher war dieser Hafen vor allem für die Fischer sehr wichtig. Sie konnten ihre Boote dort sicher festmachen und den gefangenen Fisch direkt an Land bringen, ohne vom Wetter gehindert zu werden.
Am Strand
Wer länger bleiben kann, sollte an einem schönen Tag auf jeden Fall unbedingt ein Badekostüm mitbringen. Dann kann man nach der Sightseeing-Tour noch einen kurzen Badeaufenthalt im Meer anschließen.

Ansonsten empfehle ich einen Espresso oder mehr am Strand. Ein paar Schritte weiter und schon kann man einen ausgezeichneten Kaffee genießen. Wir sind ja schließlich in Italien…
Und wie wäre es mit einem Besuch in Triest ?










