Die kleine mittelalterliche Stadt mit einem weit über die Stadtgrenzen hinweg berühmten Passionsspiel bietet viel Kultur und Geschichte.
Škofia Loka in der Region Gorenjska und auch ihr Passionsspiel war mir völlig unbekannt. Wie schade. Bei meinem Besuch bei dem berühmten Passionsspiel konnte ich auch ein wenig durch die Stadt spazieren – und die ist sicher noch einen zweiten Besuch wert – auch ohne Passionsspiel.
Die Geschichte der Stadt
Der Name der Stadt weist auf ihre früheren Besitzer hin: Škof auf Deutsch übersetzt bedeutet Bischof und Loka ist mit dem deutschen „Au“ gleichzusetzen. Der deutsche Name der Stadt war daher Bischofslack – was ich nun frei mit „die Lacke des Bischofs“ übersetzen würde.

Kaiser Otto II. schenkte die Stadt und ihre Umgebung am 30. Juni 973 dem Fürstbischof von Freising und diese Schenkungsurkunde ist auch die erste urkundliche Erwähnung der Stadt. Aus diesem Grund kann man auch den Freisinger Mohr im Wappen der Stadt, das auch noch an vielen Häusern der Altstadt zu sehen ist, erkennen. Wer mehr über die Geschichte des Mohren von Freising erfahren möchte, wird hier auf Wikipedia fündig.

Wie so oft, war die Lage der Stadt am Zusammenfluss von zwei Flüssen für ihre Entwicklung günstig. Die Freisinger Bischöfe bauten sie zu einem Verwaltungsmittelpunkt aus: 1248 erhielt die Stadt das Marktrecht, 1262 wurden die Einwohner der Stadt zu „cives“ (Bürgern), 1310 erhielt sie das Stadtrecht.

1286 wurde die Stadtmauer erstmals urkundlich erwähnt und das Stadtschloss des Bischofs wurde als castrum firmissimum, als sehr stark befestigtes Schloss bezeichnet. Die fünf Tore der Stadtmauer stammen aus dem 14. Jahrhundert. Schließlich umfasse das Gebiet rund um die Stadt, das zu den Besitztümern der Bischöfe von Freising gehörte rund 500 km2 und an die 200 Dörfer.

Die Bischöfe sorgten für den Aus- und Weiterbau der Stadt und riefen dazu auch viele deutsche Kolonisten ins Land. Durch die unterschiedlichen Sprachen entwickelten sich einige Dialekte und Mundarten, die an einigen Orten sogar bis ins 20. Jahrhundert lebendig blieben.

1515 kam es zu einem großen Erdbeben, das die Stadt fast vollständig vernichtete, doch auch die Pest und Kriege sorgten immer wieder für Rückschläge in der Entwicklung der Stadt. Das heutige Gesicht der Altstadt von Škofja Loka ist aber vom Wiederaufbau nach dem großen Erdbeben geprägt.

Bis 1803 währte die Herrschaft der Freisinger Bischöfe, dann kam die Stadt in den Besitz der österreichischen Monarchie und gehörte 1888 zur Bezirkshauptmannschaft Krainburg im österreichischen Herzogtum Krain.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Škofja Loka im April 1941 zuerst von italienischen Truppen besetzt, denen bald darauf deutsche folgten. Schon im Mai wurden die ersten Bürger von der Gestapo verhaftet und bald darauf deportiert.

Partisaneneinheiten operierten während des gesamten Krieges in der Gegend. 1944 erschossen deutsche Truppen 50 Geiseln als Vergeltung für die Tötung eines deutschen Soldaten. Die Partisanen marschierten am 9. Mai 1945 in die Stadt ein. Nach dem Krieg wurde die Burg Loka zur Unterbringung von Kriegsgefangenen und politischen Gefangenen genutzt.

Die Zeit des Krieges und danach zählt wohl zu den dunkelsten Kapiteln der Stadt. So fanden nach Kriegsende Massenhinrichtungen statt, an die zahlreiche Massengräber in der Stadt und in ihrer Umgebung erinnern.
Doch zurück zur Gegenwart. Die Stadt bietet einiges an Sehenswürdigkeiten und auch ihr Passionsspiel sollte man einmal erlebt haben.
Das Passionsspiel von Škofja Loka
Die Passionsspiele finden alle sechs Jahre statt. Durch die Covid-Pandemie kam dieser Rhythmus ein wenig aus dem Tritt, aber – so nicht wieder etwas passiert – sollte es jetzt wieder in diesem Abstand aufgeführt werden können. Und es ist wirklich sehenswert – auch wenn man die slowenischen Texte nicht versteht. Hier findet ihr deutsche Kurzübersetzung zum Download.

Es sieht so aus, als ob die ganze Stadt auf den Beinen ist und bei den Spielen mitmacht – und es würde mich nicht wundern, bei der Riesenanzahl an Schauspielern, die das Passionsspiel fordert. Vier Bühnen sind in der Stadt auf verschiedenen Plätzen aufgebaut, die Hauptbühne steht natürlich am Hauptplatz der Stadt. Hier beginnt das Spiel und zieht dann von Bühne zu Bühne – Schauspieler, Sänger, Chöre, ja sogar Pferde sind mit dabei. Ich konnte mir zuerst gar nicht vorstellen, dass diese Aufführungsart funktionieren kann, aber es klappt. Nur ganz selten hört man auch die Stimmen oder Geräusche einer Nebenbühne.

Das Spiel basiert auf zwanzig Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, die 1721 vom Kapuzinermönch Pater Romuald aufgeschrieben wurde. Das Werk im Geiste slowenischer Bußprozessionen wurde 2016 in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen und ist weit über die Grenzen der Stadt bekannt.

Wenn ihr wissen wollt, wie mir die Aufführung gefallen hat, könnt ihr meinen Bericht hier nachlesen: Škofja Loka und das Passionsspiel
Sehenswürdigkeiten
Leider hatten wir nicht besonders viel Zeit uns in der Stadt umzusehen. Hier aber ein paar Tipps, die ihr euch unbedingt ansehen solltet.
Der Stadtplatz (mestni trg)
Am besten ihr schlendert zum Stadtzentrum und bewundert die wunderschönen alten Häuser und ihre Fassaden. Einiges war bei unserem Besuch leider durch die Bühne für das Passionsspiel verstellt, daher steht ein zweiter Besuch der Stadt auf jeden Fall auf meiner ToDo-Liste.

Verpasst auch nicht, einen Blick in die verschiedenen Schaufenster zu machen. Die Stadt ist auch für ihre Künstler und Kreativen bekannt und in den einen oder anderen Fenstern werdet ihr auch deren Werke finden. Wer also ein schönes kreatives Mitbringsel aus Keramik oder ein Bild sucht, könnte hier ebenfalls fündig werden.
Das Alte Rathaus
Das Alte Rathaus am Mestni trg stammt aus dem 16. Jahrhundert. Bei einer Restaurierung der Fassade kamen 1972 barocke Fresken zum Vorschein.

Das Homan Haus
Am Ende des Stadtplatzes könnt ihr das Homan Haus nicht übersehen. Der stattliche Stadtpalast mit seinen drei Etagen verbindet spätgotische und Renaissance-Elemente und wurde nach dem Erdbeben von 1511 erbaut. Heute kann man vor dem Haus gemütlich einen Café oder ein Glas Wein trinken.

Wenn man dann weiterspaziert, kommt man zum Unteren Platz (spodnji trg), von dem man bereits das Schloss am Hang hervorblitzen sieht. Hier ist auch ein Modell der Stadt aufgestellt, mit dem ihr euch einen Überblick über die Stadt verschaffen könnt.
Die Jakobskirche
Zu eurer Rechten steht die Jakobskirche, die 1471 auf den Fundamenten einer älteren Kirche errichtet wurde. Bevor ihr ins Innere geht – was man unbedingt machen sollte – lohnt ein Blick auf das Steinrelief des Tympanons im Spitzbogen des gotischen Westportals. Es zeigt Jesus im Garten Getsemani.

Im Inneren hat mich nicht nur der Blick zum Chorgewölbe fasziniert, auch der Hauptaltar und die Nebenaltäre sind sehenswert. Sie ist mit Reliefs der Zünfte und Schutzherren verziert, die Decke wurde im 16. Jahrhundert von Jernej aus Loka mit Fresken bemalt.

Der schwarze Marmor-Renaissance-Altar der Heiligen Katharina stammt aus 1694 und das Bild Christi auf dem Ölberg ist aus dem späten 17. Jahrhundert. Das Innere der Kirche, die Altäre und die Kronleuchter sind nach den Plänen von Jože Plečnik umgebaut worden. Daher ein Muss für alle Jugendstil-Fans!

4220 Škofja Loka, Cankarjev trg 13
Tel: +386 4 512 06 72
Email:
Eine Seitengasse vom Unteren Platz hätte uns zum Stadtschloss geführt, aber dazu reichte unsere Zeit leider nicht mehr. Dennoch hier noch ein paar Informationen dazu.
Das Stadtschloss
Die Burg wurde ursprünglich von den Bischöfen von Freising 1202 erbaut und wurde als castrum firmissimum – als ein sehr stark befestigtes Schloss bezeichnet, doch das große Erdbeben 1511 führte auch hier zu so starken Beschädigungen, sodass es umfassend von Bischof Phillip instand gesetzt werden musste. Im Schloss befindet sich eine Kapelle, die der Heiligen Lucia geweiht ist und einen achtseitigen Grundriss aufweist. Sehenswert in ihrem inneren sind Kuppel und die Barockaltäre.

Im Stadtschloss ist heute ein Museum untergebracht, das als eines der besten in Slowenien gilt und archäologische, historische, kulturelle, künstlerische, naturwissenschaftliche und ethnologische Sammlung beherbergt.
4220 Škofja Loka, Grajska pot 13
Tel: +386 4 517 04 00
Email:
www.loski-muzej.si
Ich bin ein wenig in jene Straße hineinspaziert, die zum Schloss führt und dabei bei der Nonnenkirche gelandet
Die Kirche Maria Immaculata
Diese Kirche stammt aus dem Jahr 1358 und wurde 1669 im barocken Stil umgebaut. Sie liegt untr der Burg und ist durch ein Stiegenhaus mit ihr verbunden.

Früher dem Klarissenkloster zugehörig, kamen 1782 die Ursulinen in den Klosterbesitz, die auch eine Mädchenschule auf der Burg errichteten.

In ihrem Inneren beeindruckt die Kirche ganz in ihrem barocken Glanz, in einem Seitenteil war bei meinem Besuch auch eine kleine Ausstellung untergebracht. Außerdem gibt es im Inneren wertvolle Gräber, eine barocke Steinkanzel und an der Fassade kann man ein Relief der Kreuzigung sehen.

4220 Škofja Loka, Klobovsova ulica
Tel: +386 4 512 24 93
Weitere Sehenswürdigkeiten
Die Kapuzinerbrücke
Auf Wunsch von Bischof Leopold im 14 Jahrhundert gebaut. Leider stürzte er kurz nach ihrer Fertigstellung bei einem Ritt über die Brücke in den Bach und ertrank.

Erst 1888 erhielt die Brücke ein Eisengeländer und seit damals wird sie auch durch eine Statue des Brückenheiligen Nepomuk geschützt.
Der Getreidespeicher
Das Gebäude diente zur Aufbewahrung der Naturalabgaben und wurde nach dem Erdbeben von 1511 renoviert.
Die Spitalkirche
Diese Kirche war ursprünglich ein Armenhaus aus dem Jahre 1547. 1689 durch einen Brand zerstört wurde es danach neu errichtet.
Das Žigon Haus
Das Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert und dient heute der Stadtverwaltung
Weitere Infos findet ihr hier https://www.visitskofjaloka.si/de/
Mehr über das Passionsspiel:
Škofja Loka und das Passionsspiel
Fotoalbum Škofja Loka und das Passionsspiel
Essen
Der Besuch erfolgte im Rahmen einer Pressereise auf Einladung des Slowenischen Tourismusbüro Wien




























































